Les Joueurs de Carte (Card Players): Paul Cézanne, Courtauld Institute of Art
Paul Cézanne’s Les Joueurs de Carte (Kartenspieler)

Einheit 4 Soziale Interaktionen

Eine Kombination aus Eigeninteresse, Rücksicht auf das Wohlergehen Anderer und geeigneten Institutionen kann bei der Interaktion zwischen Menschen zu wünschenswerten sozialen Ergebnissen führen

  • Spieltheorie ist eine Methode die uns hilft zu verstehen, wie Menschen interagieren. Sie berücksichtigt die Handlungsoptionen, die Motive und die Vermutungen über das was andere tun werden.
  • Experimente und weitere Forschung zeigen, dass Eigeninteresse, die Berücksichtigung Anderer und die Präferenz für Fairness wichtige Motive sind, die erklären, wie Menschen interagieren.
  • Bei den meisten Interaktionen besteht ein gewisser Interessenkonflikt zwischen den Menschen, aber auch die Möglichkeit, dass beide Seiten profitieren.
  • Das Verfolgen von Eigeninteressen kann manchmal zu Ergebnissen führen, die von allen Teilnehmenden als gut angesehen werden. Machmal aber auch zu Ergebnissen, die sich niemand wünscht.
  • Eigeninteresse kann auf Märkten zum Wohle der Allgemeinheit genutzt werden, indem Regierungen den Handlungsspielraum der Menschen einschränken und Mitmenschen Handlungen, die zu schlechten Ergebnissen führen, bestrafen.
  • Rücksichtnahme auf andere und Fairness ermöglichen es uns, die Auswirkungen unseres Handelns auf andere zu verstehen, und können so zu wünschenswerten sozialen Ergebnissen beitragen.

Die wissenschaftlichen Beweise sind inzwischen überwältigend: Der Klimawandel bringt sehr ernste globale Risiken mit sich und erfordert eine dringende globale Reaktion.1

Das ist der unverblümte Anfang der Zusammenfassung des Stern-Berichts, der 2006 veröffentlicht wurde. Der britische Finanzminister beauftragte eine Gruppe von Ökonominnen und Ökonomen unter der Leitung des ehemaligen Chef-Ökonomen der Weltbank, Sir Nicholas (jetzt Lord) Stern, die Beweise für den Klimawandel zu bewerten und zu versuchen, seine wirtschaftlichen Auswirkungen zu verstehen. Der Stern-Bericht sagt voraus, dass die Vorteile eines frühzeitigen Handelns zur Verlangsamung des Klimawandels die Kosten einer Vernachlässigung des Themas überwiegen werden.

Der fünfte Bericht des Weltklimarats (IPCC) stimmt dem zu. Frühzeitiges Handeln würde eine deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen bedeuten, indem wir unseren Konsum von energieintensiven Gütern reduzieren, auf andere Energietechnologien umsteigen, die Auswirkungen von Landwirtschaft und Landnutzungsänderungen verringern und die Effizienz der derzeitigen Technologien verbessern.2

Aber nichts von alledem wird geschehen, wenn wir wie gewohnt weitermachen: ein Szenario, in dem Menschen, Regierungen und Unternehmen frei sind, ihr eigenes Vergnügen, ihre eigene Politik und ihre eigenen Gewinne zu verfolgen, ohne die Auswirkungen ihres Handelns auf andere, einschließlich zukünftiger Generationen, angemessen zu berücksichtigen.

Die Regierungen der einzelnen Länder sind sich uneinig über die zu ergreifenden Maßnahmen. Viele Industrieländer drängen auf eine strenge globale Kontrolle der Kohlenstoffdioxidemissionen, während andere, deren wirtschaftlicher Aufholprozess bis vor kurzem von kohleverbrennenden Technologien abhängig war, sich diesen Maßnahmen widersetzen.

soziales Dilemma
Eine Situation, in der die Verfolgung individueller Interessen zu einem Ergebnis führt, das alle schlechter stellt als eine kooperative Lösung.

Das Problem des Klimawandels ist alles andere als einzigartig. Es ist ein Beispiel für ein sogenanntes soziales Dilemma. Soziale Dilemmas—wie der Klimawandel—treten auf, wenn Menschen die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf andere nicht angemessen berücksichtigen, egal ob diese positiv oder negativ sind.

Soziale Dilemmas kommen in unserem Leben häufig vor. Staus entstehen, wenn wir bei der Wahl unserer Fortbewegungsart—zum Beispiel allein zur Arbeit zu fahren, anstatt eine Fahrgemeinschaft zu bilden—nicht berücksichtigen, welchen Beitrag wir zur Verkehrsüberlastung leisten. Ähnlich verhält es sich mit dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika bei leichteren Krankheiten; wodurch sich die kranke Person, die sie einnimmt, zwar schneller erholt, aber antibiotikaresistente Bakterien entstehen, die für viele andere eine viel schädlichere Wirkung haben.

Die Tragik der Allmende

Im Jahr 1968 veröffentlichte der Biologe Garrett Hardin in der Zeitschrift Science einen Artikel über soziale Dilemmas mit dem Titel ‚The Tragedy of the Commons‘. Er argumentierte, dass Ressourcen, die niemandem gehören (manchmal auch als ‚Gemeineigentum‘ oder ‚Gemeinschaftsgüter‘ bezeichnet), wie die Erdatmosphäre oder die Fischbestände, übermäßig beansprucht werden, wenn wir den Zugang nicht in irgendeiner Weise kontrollieren. Für die Fischer:innen als Gruppe wäre es besser, nicht so viel Thunfisch zu fangen, und für die verbrauchenden Personen als Gruppe wäre es besser, nicht zu viel davon zu essen. Die Menschheit wäre besser dran, wenn sie weniger Schadstoffe ausstoßen würde, aber wenn Sie als Einzelperson beschließen, Ihren Konsum einzuschränken, wird sich Ihr Kohlenstoffdioxid-Fußabdruck oder die Anzahl der von Ihnen gefangenen Thunfische kaum auf das globale Level auswirken.3

Free-ride
Von den Beiträgen anderer zu einem Kooperationsprojekt zu profitieren, ohne selbst einen Beitrag zu leisten.

Beispiele für Hardins Tragik und andere soziale Dilemmas sind überall um uns herum: Wenn Sie mit Mitbewohner:innen oder in einer Familie leben, wissen Sie, wie schwierig es ist, eine Küche oder ein Bad sauber zu halten. Wenn eine Person sauber macht, profitieren alle davon, aber es ist harte Arbeit. Wer aufräumt und putzt, trägt diese Kosten. Die anderen werden manchmal Free-rider oder Trittbrettfahrer genannt. Wenn Sie in Ihrem Studium schon einmal eine Gruppenarbeit gemacht haben, wissen Sie, dass der Aufwand (das Problem zu verstehen, Beweise zu sammeln oder die Ergebnisse aufzuschreiben) individuell ist, der Ertrag (eine bessere Note oder einfach die Bewunderung der Mitstudierenden) jedoch der ganzen Gruppe zugute kommt.4

Auflösung sozialer Dilemmas

Soziale Dilemmas sind nichts Neues; wir sind seit der Vorgeschichte mit ihnen konfrontiert.

Altruismus
Die Bereitschaft, Kosten auf sich zu nehmen, um jemand anderem einen Vorteil zu verschaffen.

Vor mehr als 2500 Jahren schrieb der griechische Erzähler Äsop in seiner Fabel Der Rat der Ratten über ein soziales Dilemma. Eine Gruppe von Ratten braucht eines ihrer Angehörigen, um einer Katze eine Glocke um den Hals zu legen. Sobald die Glocke angelegt ist, kann die Katze die anderen Ratten nicht mehr fangen und fressen. Aber diejenige Ratte, die den Job übernimmt, könnte sterben.5 Es gibt zahllose Beispiele in Kriegen oder bei Naturkatastrophen, bei denen Menschen ihr Leben für andere opfern, die keine Familienangehörigen sind und sogar völlig fremd sein können. Diese Handlungen werden als altruistisch bezeichnet.

Altruistische Selbstaufopferung ist nicht die bedeutendste Art und Weise, wie Gesellschaften soziale Dilemmas lösen und Free-riding reduzieren. Manchmal können die Probleme durch Maßnahmen der Regierungen gelöst werden. So haben Regierungen beispielsweise erfolgreich Quoten eingeführt, um die Überfischung der Dorsch-Bestände im Nordatlantik zu verhindern. In Vereinigten Königreich wurde die Menge der Abfälle, die auf Mülldeponien landen, anstatt recycelt zu werden, durch eine Deponiesteuer drastisch reduziert.

Auch lokale Gemeinschaften schaffen Institutionen, um das Verhalten der Angehörigen zu steuern. Bewässerungsgemeinschaften brauchen Menschen, die für die Instandhaltung der Kanäle arbeiten, von denen die ganze Gemeinschaft profitiert. Auch einzelne Personen müssen mit knappem Wasser sparsam umgehen, damit die Saaten anderer gedeihen können, auch wenn dies für sie selbst zu geringeren Erträgen führt. Im spanischen Valencia haben landwirtschaftliche Arbeitskräfte seit Jahrhunderten eine Reihe von Gewohnheitsregeln aufgestellt, um die gemeinschaftlichen Aufgaben zu regeln und zu vermeiden, dass zu viel Wasser verbraucht wird. Seit dem Mittelalter gibt es ein Schiedsgericht namens Tribunal de las Aguas (Wassergericht), das Konflikte zwischen Arbeitskräften in der Landwirtschaft über die Anwendung der Regeln löst. Die Entscheidung des Tribunals ist rechtlich nicht durchsetzbar. Seine Macht beruht allein auf dem Respekt der Gemeinschaft, doch seine Entscheidungen werden fast überall befolgt.

Selbst die heutigen globalen Umweltprobleme wurden zuweilen wirksam angegangen. Das Montrealer Protokoll war bemerkenswert erfolgreich. Es wurde geschaffen, um die Nutzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) schrittweise abzubauen und schließlich zu verbieten. FCKW drohte die Ozonschicht zu zerstören, die uns vor schädlicher ultravioletter Strahlung schützt.

Spieltheorie
Ein Teilgebiet der Mathematik, das sich mit strategischen Interaktionen befasst, das heißt mit Situationen, in denen jeder Teilnehmende weiß, dass der Nutzen, den er erhält, von den Handlungen aller abhängt. Siehe auch: Spiel.
soziale Interaktionen
Situationen, in denen sich die Handlungen einer Person nicht nur auf ihre eigenen, sondern auch auf die Ergebnisse anderer Personen auswirken.

In dieser Einheit werden wir die Instrumente der Spieltheorie nutzen, um soziale Interaktionen zu modellieren, bei denen die Entscheidungen der einzelnen Personen nicht nur sie selbst, sondern auch andere Menschen betreffen. Wir werden uns Situationen ansehen, die zu sozialen Dilemmas führen und wie Menschen diese manchmal lösen können—manchmal aber auch nicht (oder noch nicht), wie im Fall des Klimawandels.

Aber nicht alle sozialen Interaktionen führen zu sozialen Dilemmas, selbst wenn der einzelne Mensch nur die eigenen Interessen verfolgt. Im nächsten Abschnitt beginnen wir mit einem Beispiel, bei dem die von Adam Smith beschriebene „unsichtbare Hand“ des Marktes das Eigeninteresse so leitet, dass unabhängig voneinander handelnde Individuen ein für beide Seiten vorteilhaftes Ergebnis erzielen.

Übung 4.1 Soziale Dilemmas

Anhand der Schlagzeilen der letzten Woche:

  1. Nennen Sie zwei soziale Dilemmas, über die berichtet wurde (versuchen Sie, Beispiele zu verwenden, die oben nicht genannt wurden).
  2. Erläutern Sie jeweils, inwiefern sie der Definition eines sozialen Dilemmas entsprechen.

4.1 Soziale Interaktionen: Spieltheorie

Auf welcher Seite der Straße sollten Sie fahren? Wenn Sie in Japan, im Vereinigten Königreich oder in Indonesien leben, fahren Sie auf der linken Seite. Wenn Sie in Südkorea, Frankreich oder den USA leben, fahren Sie auf der rechten Seite. Wenn Sie in Schweden aufgewachsen sind, fuhren Sie bis zum 3. September 1967 um 17:00 Uhr links und ab 17:01 Uhr fuhren Sie rechts. Im Falle der Fahrspuren gibt die Regierung eine Regel vor, und wir befolgen sie.

Aber nehmen wir einmal an, wir überließen es den Autofahrenden, ihr eigenes Interesse zu verfolgen und die eine oder andere Straßenseite zu wählen. Wenn alle anderen bereits auf der rechten Seite fahren würden, wäre das Eigeninteresse (einen Zusammenstoß zu vermeiden) ausreichend, um Fahrende zu motivieren, ebenfalls auf der rechten Seite zu fahren. Rücksichtnahme auf andere Fahrende oder der Wunsch, das Gesetz zu befolgen, wären nicht erforderlich.

Wenn wir Maßnahmen entwickeln wollen, die das Wohlbefinden der Menschen fördern, müssen wir den Unterschied zwischen Situationen, in denen Eigeninteresse das Allgemeinwohl fördern kann, und Fällen, in denen es zu unerwünschten Ergebnissen führt, verstehen. Um dies zu analysieren, werden wir zunächst die Spieltheorie einführen, eine Methode zur Modellierung der Interaktion zwischen Menschen.

In Einheit 3 haben wir gesehen, wie Alexei entscheidet, wie viel er lernen will, und Angela, wie hart sie arbeiten will. Die Optionen von beiden wurden durch eine Produktionsfunktion bestimmt. Beide Personen trafen dann Entscheidungen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. In diesen Modellen, die wir bisher untersucht haben, hing das Ergebnis nicht davon ab, was jemand anderes tat. Weder Alexei noch Angela waren in eine soziale Interaktion verwickelt.

Soziale und strategische Interaktionen

strategische Interaktion
Eine soziale Interaktion, bei der sich die teilnehmenden Personen der Art und Weise bewusst sind, wie sich ihre Handlungen auf andere auswirken (und wie sich die Handlungen der anderen auf sie auswirken).
Strategie
Eine Handlung (oder ein Handlungsablauf), die eine Person vornehmen kann, wenn sie sich der gegenseitigen Abhängigkeit der Ergebnisse für sich und für andere bewusst ist. Die Ergebnisse hängen nicht nur von den Handlungen dieser Person ab, sondern auch von den Handlungen anderer.
Spiel
Ein Modell der strategischen Interaktion, das die Spieler:innen, die realisierbaren Strategien, die Informationen, über die die Spieler:innen verfügen, und ihre Auszahlungen beschreibt. Siehe auch: Spieltheorie.

In dieser Einheit betrachten wir soziale Interaktionen: Situationen, in denen es zwei oder mehr Personen gibt und die Handlungen aller Personen sowohl das eigene Ergebnis als auch die Ergebnisse anderer Personen beeinflussen. Beispielsweise wirkt sich die Entscheidung einer Person, wie stark sie ihr Haus heizt, auf die Entwicklung des globalen Klimawandels für alle aus.

Wir verwenden vier Begriffe:

  • Wenn Menschen in eine soziale Interaktion verwickelt sind und sich bewusst sind, wie sich ihre Handlungen auf andere auswirken und umgekehrt, nennen wir dies eine strategische Interaktion.
  • Eine Strategie ist definiert als eine Handlung (oder ein Handlungsverlauf), die eine Person vornehmen kann, wenn sie sich der gegenseitigen Abhängigkeit der Ergebnisse für sich selbst und für andere bewusst ist. Die Ergebnisse hängen nicht nur von den Handlungen dieser Person ab, sondern auch von den Handlungen der anderen.
  • Modelle strategischer Interaktionen werden als Spiele bezeichnet.
  • Die Spieltheorie ist eine Reihe von Modellen strategischer Interaktionen. Sie ist in der Volkswirtschaftslehre und anderen Sozialwissenschaften weit verbreitet.

Um zu sehen, wie die Spieltheorie strategische Interaktionen verdeutlichen kann, stellen Sie zwei Landwirte vor, die wir Anil und Bala nennen wollen. Sie stehen vor einem Problem: Sollen sie Reis oder Maniok anbauen? Wir nehmen an, dass sie die Möglichkeit haben, beide Arten von Saatgut anzubauen, aber jeweils nur eine Art auf einmal anbauen können.

Arbeitsteilung
Die Spezialisierung der produzierenden Personen auf verschiedene Aufgaben im Produktionsprozess. Auch bekannt als: Spezialisierung.

Anils Land ist besser für den Anbau von Maniok geeignet, während Balas Land besser für Reis geeignet ist. Beide müssen die Arbeitsteilung festlegen, das heißt wer sich auf welches Saatgut spezialisieren wird. Sie entscheiden dies unabhängig voneinander: Sie treffen sich nicht, um gemeinsam die Vorgehensweise zu besprechen.

(Die Annahme der Unabhängigkeit mag in diesem Modell mit nur zwei Landwirten seltsam erscheinen, aber später wenden wir die gleiche Logik auf Situationen wie den Klimawandel an, in denen Hunderte oder sogar Millionen von Menschen interagieren, von denen die meisten einander völlig fremd sind. Die Annahme, dass Anil und Bala sich nicht einig sind, bevor sie handeln, ist also nützlich für uns.)

Beide verkaufen die von ihnen produzierte Ernte auf einem Markt in einem nahe gelegenen Dorf. Wenn sie am Markttag weniger Reis auf den Markt bringen, wird der Preis höher sein. Das Gleiche gilt für Maniok. Abbildung 4.1 beschreibt ihre Interaktion, die wir ein Spiel nennen. Lassen Sie uns erklären, was Abbildung 4.1 bedeutet, denn solche Abbildungen werden Sie noch oft sehen.

Spiel

Eine Beschreibung einer sozialen Interaktion, die folgendes angibt:

  • Die Spieler:innen: Wer mit wem interagiert
  • Die realisierbaren Strategien: Welche Aktionen den Spieler:innen zur Verfügung stehen
  • Die Informationen: Was die jeweiligen Spieler:innen wissen, wenn sie ihre Entscheidungen treffen
  • Die Auszahlungen: Was die Ergebnisse für jede der möglichen Handlungskombinationen sein werden

Die Entscheidungen von Anil sind die Zeilen der Tabelle und die von Bala die Spalten. Wir nennen Anil den ‚Zeilenspieler‘ und Bala den ‚Spaltenspieler‘.

Wenn eine Interaktion in einer Tabelle wie Abbildung 4.1 dargestellt wird, beschreibt jeder Eintrag das Ergebnis einer hypothetischen Situation. Die Zelle oben links sollte zum Beispiel wie folgt interpretiert werden:

Angenommen, Anil hat (aus welchen Gründen auch immer) Reis gepflanzt und Bala hat auch Reis gepflanzt. Was würden wir sehen?

Es gibt vier mögliche hypothetische Situationen. In Abbildung 4.1 wird beschrieben, was in jedem Fall passieren würde.

Soziale Interaktionen im Spiel mit der unsichtbaren Hand.
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Abbildung 4.1 Soziale Interaktionen im Spiel mit der unsichtbaren Hand.

Um das Modell zu vereinfachen, gehen wir davon aus, dass:

  • Keine anderen Personen involviert oder in irgendeiner Weise betroffen sind.
  • Die Wahl der Ernte die einzige Entscheidung ist, die Anil und Bala treffen müssen.
  • Anil und Bala nur ein einziges Mal interagieren (das wird als ‚One-Shot Spiel‘ bezeichnet).
  • Sie gleichzeitig entscheiden. Wenn eine Person eine Entscheidung trifft, weiß sie nicht, wofür sich die andere Person entschieden hat.
Auszahlung
Der Nutzen für jede Spieler:in, der sich aus den gemeinsamen Aktionen aller Spieler:innen ergibt.

Abbildung 4.2a zeigt die Auszahlungen für Anil und Bala in jeder der vier hypothetischen Situationen—die Einkommen, die sie erhalten würden, wenn die hypothetischen Zeilen- und Spaltenaktionen durchgeführt würden. Da ihr Einkommen von den Marktpreisen abhängt, die wiederum von ihren Entscheidungen abhängen, haben wir dies als ein Spiel der „unsichtbaren Hand“ bezeichnet.

Die Auszahlungen im Spiel der unsichtbaren Hand.
Vollbild

Abbildung 4.2a Die Auszahlungen im Spiel der unsichtbaren Hand.

  • Da der Marktpreis sinkt, wenn viel von einem Gut angeboten wird, schneiden Anil und Bala besser ab, wenn sie sich spezialisieren, als wenn sie beide das gleiche Saatgut anbauen.
  • Wenn sie unterschiedliche Güter produzieren, würden sie beide besser abschneiden, wenn sich jeder auf das für sein Land am besten geeignete Saatgut spezialisieren würde.

Frage 4.1 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

In einem Simultanspiel mit einem Zug (also ein ‚One-Shot-Spiel‘):

  • Beobachtet eine spielende Person, was die anderen tun, bevor sie entscheidet, wie sie handelt.
  • Entscheidet eine spielende Person über ihre Handlung und berücksichtigt dabei, was die anderen Spieler:innen tun könnten, nachdem sie ihren Zug kennen.
  • Stimmen sich die Spieler:innen ab, um die Handlungen zu finden, die zum optimalen Ergebnis für die gesamte Gruppe führen.
  • Wählt eine spielende Person eine Handlung und berücksichtigt dabei die möglichen Handlungen der anderen Spieler:innen.
  • Ein Simultanspiel (im Gegensatz zu einem sequentiellen Spiel) bedeutet, dass alle Spieler:innen gleichzeitig eine Entscheidung über ihre Handlung treffen.
  • Bei einem One-Shot-Spiel (im Gegensatz zu einem wiederholten Spiel) handelt jede Person nur einmal, ohne zu wissen, was die anderen Spieler:innen gewählt haben.
  • Die Spieler:innen handeln nicht-kooperativ, sondern aus Eigeninteresse.
  • Ein wesentliches Element strategischer Spiele ist, dass alle Spieler:innen die möglichen Handlungen der anderen Spieler:innen berücksichtigt, auch wenn die tatsächlich getroffenen Entscheidungen unbekannt sind.

4.2 Gleichgewicht im Spiel der unsichtbaren Hand

beste Antwort
Die Strategie, die einem die höchste Auszahlung verschafft gegeben der Strategien der anderen Spieler:innen.

Die Spieltheorie beschreibt soziale Interaktionen, aber sie kann auch Vorhersagen über den Ausgang machen. Um den Ausgang eines Spiels vorherzusagen, benötigen wir ein weiteres Konzept: die beste Antwort. Dabei handelt es sich um die Strategie, die Spieler:innen die höchste Auszahlung beschert, wenn man die Strategien der anderen Spieler:innen berücksichtigt.

In Abbildung 4.2b stellen wir die Auszahlungen für Anil und Bala im Spiel der unsichtbaren Hand in einem Standardformat dar, das wir Auszahlungsmatrix nennen. Eine Matrix ist eine beliebige rechteckige (in diesem Fall quadratische) Anordnung von Zahlen. Die erste Zahl in jedem Feld ist die Auszahlung, die die in der Zeile spielende Person erhält (deren Name mit A beginnt, um daran zu erinnern, dass sie die erste Auszahlung erhält). Die zweite Zahl ist die Auszahlung für die spielende Person in der Spalte.

Denken Sie über die besten Antworten in diesem Spiel nach. Nehmen wir an, Sie sind Anil und betrachten den hypothetischen Fall, in dem Bala sich für den Reisanbau entschieden hat. Welche Antwort bringt Ihnen die höhere Auszahlung? Sie würden Maniok anbauen (in diesem Fall würden Sie—Anil—eine Auszahlung von 4 erhalten, aber nur eine Auszahlung von 1, wenn Sie stattdessen Reis anbauen würden).

dominante Strategie
Handlung, die für eine spielende Person den höchsten Ertrag bringt, unabhängig davon, was die anderen Spieler:innen tun.

Gehen Sie die Schritte in Abbildung 4.2b durch, um zu sehen, dass die Wahl von Maniok auch Anils beste Antwort ist, wenn Bala Maniok wählt. Maniok ist also Anils dominante Strategie: sie wird ihm die höchste Auszahlung bringen, egal was Bala tut. Sie werden sehen, dass auch Bala in diesem Spiel eine dominante Strategie hat. Die Analyse bietet Ihnen auch eine praktische Methode, um die besten Antworten im Auge zu behalten, indem Sie Punkte und Kreise in der Auszahlungsmatrix platzieren.

Die Auszahlungsmatrix im Spiel der unsichtbaren Hand.
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Abbildung 4.2b Die Auszahlungsmatrix im Spiel der unsichtbaren Hand.

Die besten Antworten finden
: Beginnen Sie mit der spielenden Person in der Zeile (Anil) und fragen Sie: ‚Was wäre die beste Antwort auf die Entscheidung der Spieler:innen in der Spalte (Bala), Reis zu spielen?‘
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Die besten Antworten finden

Beginnen Sie mit der spielenden Person in der Zeile (Anil) und fragen Sie: ‚Was wäre die beste Antwort auf die Entscheidung der Spieler:innen in der Spalte (Bala), Reis zu spielen?‘

Anils beste Antwort, wenn Bala Reis anbaut
: Wenn Bala Reis wählt, ist Anils beste Antwort, Maniok zu wählen—damit erhält er vier statt eins. Setzen Sie einen Punkt in das untere linke Feld. Ein Punkt in einem Feld bedeutet, dass dies die beste Antwort der spielenden Person in der Zeile ist.
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Anils beste Antwort, wenn Bala Reis anbaut

Wenn Bala Reis wählt, ist Anils beste Antwort, Maniok zu wählen—damit erhält er vier statt eins. Setzen Sie einen Punkt in das untere linke Feld. Ein Punkt in einem Feld bedeutet, dass dies die beste Antwort der spielenden Person in der Zeile ist.

Anils beste Antwort, wenn Bala Maniok anbaut
: Wenn Bala Maniok wählt, ist es für Anil die beste Antwort, ebenfalls Maniok zu wählen. Damit erhält er drei statt zwei. Setzen Sie einen Punkt in die Zelle unten rechts.
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Anils beste Antwort, wenn Bala Maniok anbaut

Wenn Bala Maniok wählt, ist es für Anil die beste Antwort, ebenfalls Maniok zu wählen. Damit erhält er drei statt zwei. Setzen Sie einen Punkt in die Zelle unten rechts.

Anil hat eine dominante Strategie
: Beide Punkte befinden sich in der unteren Zeile. Wie auch immer Balas Wahl ausfällt, Anils beste Antwort ist, sich für Maniok zu entscheiden. Maniok ist eine dominante Strategie für Anil.
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Anil hat eine dominante Strategie

Beide Punkte befinden sich in der unteren Zeile. Wie auch immer Balas Wahl ausfällt, Anils beste Antwort ist, sich für Maniok zu entscheiden. Maniok ist eine dominante Strategie für Anil.

Finden Sie nun die besten Antworten der spielenden Person in der Spalte
: Wenn Anil Reis wählt, ist die beste Antwort von Bala, Reis zu wählen (drei statt zwei). Die Kreise stellen die besten Antworten der spielenden Person in der Spalte dar. Platzieren Sie einen Kreis in der oberen linken Zelle.
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Finden Sie nun die besten Antworten der spielenden Person in der Spalte

Wenn Anil Reis wählt, ist die beste Antwort von Bala, Reis zu wählen (drei statt zwei). Die Kreise stellen die besten Antworten der spielenden Person in der Spalte dar. Platzieren Sie einen Kreis in der oberen linken Zelle.

Bala hat ebenfalls eine dominante Strategie
: Wenn Anil sich für Maniok entscheidet, ist die beste Antwort von Bala wieder Reis (er erhält vier statt eins). Setzen Sie einen Kreis in die Zelle unten links. Reis ist die dominante Strategie von Bala (beide Kreise befinden sich in derselben Spalte).
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Bala hat ebenfalls eine dominante Strategie

Wenn Anil sich für Maniok entscheidet, ist die beste Antwort von Bala wieder Reis (er erhält vier statt eins). Setzen Sie einen Kreis in die Zelle unten links. Reis ist die dominante Strategie von Bala (beide Kreise befinden sich in derselben Spalte).

Beide spielenden Personen werden ihre dominanten Strategien spielen
: Wir sagen voraus, dass Anil sich für Maniok und Bala für Reis entscheiden wird, weil das ihre dominanten Strategien sind. Wo der Punkt und der Kreis übereinstimmen, spielen sie die beste Antwort aufeinander.
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Beide spielenden Personen werden ihre dominanten Strategien spielen

Wir sagen voraus, dass Anil sich für Maniok und Bala für Reis entscheiden wird, weil das ihre dominanten Strategien sind. Wo der Punkt und der Kreis übereinstimmen, spielen sie die beste Antwort aufeinander.

Da beide Spieler eine dominante Strategie haben, können wir einfach vorhersagen, was sie tun werden: ihre dominante Strategie spielen. Anil wird Maniok anbauen und Bala wird Reis anbauen.

Dominanzstrategiegleichgewicht
Das Gleichgewicht eines Spiels, in dem jede spielende Person die dominante Strategie spielt. Das Dominanzstrategiegleichgewicht ist ein Spezialfall des Nash-Gleichgewichts.

Dieses Paar von Strategien ist ein Dominanzstrategiegleichgewicht des Spiels.

Sie erinnern sich aus Einheit 2, dass ein Gleichgewicht eine sich selbst erhaltende Situation ist. Etwas, das wir untersuchen, ändert sich also nicht. In diesem Fall ist die Entscheidung von Anil für Maniok und von Bala für Reis ein Gleichgewicht, weil keiner von beiden seine Entscheidung ändern würde, nachdem er gesehen hat, was der jeweils andere gewählt hat.

Wenn wir feststellen, dass beide Spieler:innen in einem Spiel mit zwei Spieler:innen dominante Strategien haben, hat das Spiel ein Dominanzstrategiegleichgewicht. Wie wir später sehen werden, ist dies nicht immer der Fall. Aber wenn dies der Fall ist, dann sagen wir voraus, dass diese Strategien auch gespielt werden.

Da sowohl Anil als auch Bala eine dominante Strategie haben, wird ihre Wahl der Ernte nicht davon beeinflusst, was sie von der anderen Person erwarten. Dies ähnelt den Modellen in Einheit 3, in denen Alexeis Wahl der Lernzeiten oder Angelas Arbeitszeiten nicht davon abhängen, was andere tun. Aber auch wenn hier die Entscheidung nicht davon abhängt, was die anderen tun, die Auszahlung hängt allerdings schon davon ab. Wenn Anil zum Beispiel seine dominante Strategie (Maniok) spielt, ist er besser dran, wenn Bala Reis spielt, als wenn Bala ebenfalls Maniok spielt.

Im Dominanzstrategiegleichgewicht haben sich Anil und Bala auf die Produktion des Gutes spezialisiert, für das ihr Land besser geeignet ist. Die einfache Verfolgung ihres Eigeninteresses—die Wahl der Strategie, für die sie die höchste Auszahlung erhalten—führte zu einem Ergebnis, welches:

  • das beste der vier möglichen Ergebnisse für jeden Spieler war
  • den beiden Landwirte zusammen die höchsten Auszahlungen eingebrachte

In diesem Beispiel ist das Dominanzstrategiegleichgewicht das Ergebnis, das jeder von ihnen gewählt hätte, wenn sie eine Möglichkeit gehabt hätten, ihre Entscheidungen zu koordinieren. Obwohl sie unabhängig voneinander ihr Eigeninteresse verfolgten, wurden sie „wie von unsichtbarer Hand“ zu einem Ergebnis geführt, das für beide von Vorteil war.

Reale wirtschaftliche Probleme sind nie so einfach, aber die grundlegende Logik ist die gleiche. Das Streben nach Eigeninteresse ohne Rücksicht auf andere wird manchmal als moralisch schlecht angesehen, aber die Volkswirtschaftslehre hat Fälle identifiziert, in denen es zu Ergebnissen führen kann, die gesellschaftlich wünschenswert sind. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen das Streben nach Eigeninteresse zu Ergebnissen führt, die für niemanden der Spieler:innen von Vorteil sind. Das sogenannte Gefangenendilemma, das wir als nächstes untersuchen, beschreibt eine dieser Situationen.

Frage 4.2 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Brian geht lieber ins Kino als Fußball zu schauen. Anna hingegen schaut lieber Fußball als ins Kino zu gehen. Für beide Aktivitäten bevorzugen sie es, Zeit miteinander zu verbringen, anstatt einen Nachmittag getrennt zu verbringen. Die folgende Tabelle zeigt das Zufriedenheitsniveau (die Auszahlungen) von Anna und Brian in Abhängigkeit von der von ihnen gewählten Aktivität (die erste Zahl ist das Zufriedenheitsniveau von Brian, die zweite Zahl das von Anna):

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Aus den obigen Informationen können wir schließen, dass:

  • Die dominante Strategie für beide Personen Fußball ist.
  • Es kein Dominanzstrategiegleichgewicht gibt.
  • Das Dominanzstrategiegleichgewicht den höchstmöglichen Ertrag für beide erzielt.
  • Weder Brian noch Anna von dem Dominanzstrategiegleichgewicht abweichen wollen würde.
  • Für Brian ist die dominante Strategie Kino.
  • Das Dominanzstrategiegleichgewicht ist das Ergebnis, bei dem alle Spieler:innen ihre dominante Strategie spielen. In diesem Spiel ist das (Kino, Fußball), mit der Auszahlung (4, 3).
  • Brian würde das höchste Nutzenniveau erreichen, wenn sie zusammen ins Kino gehen könnten. Ähnlich würde Anna am glücklichsten sein, wenn sie beide Fußball schauen würden.
  • (Kino, Fußball) ist ein Dominanzstrategiegleichgewicht. Ein Dominanzstrategiegleichgewicht zeichnet sich dadurch aus, dass es keine Anreize für ein Abweichen gibt.

Wenn Ökonominnen und Ökonomen nicht einer Meinung sind Der fragliche Homo economicus: Sind die Menschen völlig egoistisch?

Seit Jahrhunderten debattieren Ökonominnen und Ökonomen und so ziemlich alle anderen darüber, ob Menschen ausschließlich eigennützig handeln oder anderen auch dann gerne helfen, wenn es sie etwas kostet. Der Homo economicus (Wirtschaftsmensch) ist der Spitzname für den egoistischen und berechnenden Charakter, den Sie häufig in Lehrbüchern der Volkswirtschaftslehre finden. Hatten die Ökonominnen und Ökonomen recht, wenn sie sich den homo economicus als einzigen Agierenden auf der Wirtschaftsbühne vorstellten?

In demselben Buch, in dem er zum ersten Mal den Ausdruck ‚unsichtbare Hand‘ verwendete, machte Adam Smith auch deutlich, dass er uns nicht für einen homo economicus hielt: ‚Wie selbstsüchtig der Mensch auch sein mag, es gibt offensichtlich einige Prinzipien in seiner Natur, die ihn am Glück Anderer interessieren und ihr Glück für ihn notwendig machen, obwohl er nichts davon hat, außer der Freude, es zu sehen.‘ (The Theory of Moral Sentiments, 1759)

Aber die meisten Ökonominnen und Ökonomen seit Smith waren anderer Meinung. Francis Edgeworth, einer der Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre, hat dies 1881 in seinem Buch Mathematical Psychics deutlich gemacht: ‚Das erste Prinzip der Volkswirtschaftslehre ist, dass jeder Agierende nur von Eigeninteresse getrieben wird.‘6

Dennoch haben alle schon einmal große Taten der Freundlichkeit oder des Mutes für Andere erlebt und manchmal sogar vollbracht, und zwar in Situationen, in denen es kaum eine Chance auf eine Belohnung gab. Für Ökonominnen und Ökonomen stellt sich die Frage: Sollte die Selbstlosigkeit, die in diesen Taten zum Ausdruck kommt, Teil der Überlegungen sein, die wir zum menschlichen Verhalten anstellen?

Manche sagen ‚Nein‘: Viele scheinbar großzügige Handlungen sind besser als Versuche zu verstehen, sich bei anderen einen guten Ruf zu verschaffen, der der handelnden Person in Zukunft zugute kommen wird.

Vielleicht ist das Helfen Anderer und das Einhalten sozialer Normen einfach nur Eigennutz mit einem langen Zeithorizont. Das dachte auch der Schriftsteller H. L. Mencken: ‚Das Gewissen ist die innere Stimme, die davor warnt, dass jemand zuschauen könnte.‘7

In dem Versuch, die Debatte auf empirischer Basis zu lösen, haben Ökonominnen und Ökonomen seit den 1990er Jahren weltweit Hunderte von Experimenten durchgeführt, bei denen das Verhalten von Einzelpersonen (Studierenden, Arbeiskräften in der Landwirtschaft, Waljäger:innen, Lagerarbeiter:innen und Personen aus dem leitenden Management) bei realen Entscheidungen über das Teilen anhand von ökonomischen Spielen beobachtet werden kann.

Gegenseitigkeit
Eine Präferenz, freundlich zu sein oder anderen zu helfen, die freundlich und hilfsbereit sind, und anderen, die nicht hilfreich oder freundlich sind, Hilfe und Freundlichkeit vorzuenthalten. Auch bekannt als: Reziprozität.
Ungleichheitsaversion
Eine Abneigung gegen Ergebnisse, bei denen einige Personen mehr erhalten als andere.

In diesen Experimenten sehen wir fast immer ein eigennütziges Verhalten. Aber wir beobachten auch Altruismus, Gegenseitigkeit (auch Reziprozität genannt), Abneigung gegen Ungleichheit und andere Präferenzen, die sich vom Eigeninteresse unterscheiden. In vielen Experimenten ist der homo economicus in der Minderheit. Das gilt selbst dann, wenn die Beträge, die geteilt (oder für sich selbst behalten) werden, viele Tageslöhne betragen.

Ist die Debatte damit beendet? Viele Ökonominnen und Ökonomen sind dieser Meinung und betrachten neben dem homo oeconomicus nun auch Menschen, die manchmal altruistisch, manchmal ungleichheitsavers und manchmal gegenseitig handelnd sind. Sie weisen darauf hin, dass die Annahme des Eigeninteresses in vielen Bereichen der Volkswirtschaftslehre angemessen ist, zum Beispiel beim Einkaufen oder bei der Art und Weise, wie Unternehmen Technologien einsetzen, um ihre Gewinne zu maximieren. Aber in anderen Bereichen ist sie nicht so angemessen, zum Beispiel bei der Frage, wie wir Steuern zahlen oder warum wir hart für unsere arbeitgebenden Unternehmen arbeiten.

4.3 Das Gefangenendilemma

Stellen Sie sich vor, dass Anil und Bala jetzt vor einem anderen Problem stehen. Jeder von ihnen muss entscheiden, wie er mit Schädlingsinsekten umgehen soll. Die Schädlingsinsekten zerstören die Ernten, die Anil und Bala auf ihren benachbarten Feldern anbauen. Jeder von ihnen hat zwei realisierbare Strategien:

  • Die erste ist der Einsatz einer preiswerten Chemikalie namens Terminator. Sie tötet jedes Insekt im Umkreis von mehreren Kilometern. Terminator sickert auch in die Wasserversorgung, die sowohl Anil als auch Bala nutzen.
  • Die zweite Strategie ist die integrierte Schädlingsbekämpfung (ISB) anstelle einer Chemikalie. Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, die ISB einsetzt, bringen nützliche Insekten auf den Acker. Die Nützlinge fressen die Schädlingsinsekten.

Wenn sich nur einer von ihnen für Terminator entscheidet, ist der Schaden recht begrenzt. Wenn sich beide für Terminator entscheiden, wird die Verunreinigung des Wassers zu einem ernsten Problem, so dass sie ein teures Filtersystem kaufen müssen. Die Abbildungen 4.3a und 4.3b beschreiben ihre Interaktionen.

Soziale Interaktionen im Spiel zur Schädlingsbekämpfung.
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Abbildung 4.3a Soziale Interaktionen im Spiel zur Schädlingsbekämpfung.

Sowohl Anil als auch Bala sind sich dieser Ergebnisse bewusst. Daher wissen sie, dass ihre Auszahlung (der Geldbetrag, den sie zum Zeitpunkt der Ernte einnehmen werden, abzüglich der Kosten für ihre Strategie zur Schädlingsbekämpfung und der Installation einer Wasserfiltration, falls dies notwendig wird) nicht nur von ihrer eigenen Entscheidung abhängt, sondern auch von der Entscheidung der anderen Person. Dies ist eine strategische Interaktion.

Auszahlungsmatrix für das Schädlingsbekämpfungsspiel.
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Abbildung 4.3b Auszahlungsmatrix für das Schädlingsbekämpfungsspiel.

Wie werden sie das Spiel spielen? Um dies herauszufinden, können wir die gleiche Methode wie im vorherigen Abschnitt anwenden (zeichnen Sie die Punkte und Kreise in der Auszahlungsmatrix für sich selbst).

Die besten Antworten für Anil:

  • Wenn Bala ISB wählt: Terminator (billige Beseitigung von Schädlingen, mit geringer Wasserverschmutzung).
  • Wenn Bala sich für Terminator entscheidet: Terminator (ISB kostet mehr und kann nicht funktionieren, da Balas Chemikalien nützliche Insekten töten würden).

Terminator ist also die dominante Strategie von Anil.

Sie können in ähnlicher Weise überprüfen, ob Terminator auch eine dominante Strategie für Bala ist.

Da Terminator die dominante Strategie für beide ist, sagen wir voraus, dass beide diese Strategie verwenden werden. Das Dominanzstrategiegleichgewicht des Spiels besteht darin, dass beide Spieler das Insektengift einsetzen.

Gefangenendilemma
Ein Spiel, bei dem die Auszahlungen im Dominanzstrategiegleichgewicht für jede spielende Person und damit auch insgesamt geringer sind als bei Kooperation der spielenden Personen.

Anil und Bala erhalten jeweils eine Auszahlung von zwei. Aber beide wären besser dran, wenn sie stattdessen beide ISB nutzen würden. Das vorhergesagte Ergebnis ist also nicht das beste realisierbare Ergebnis. Das Schädlingsbekämpfungs-Spiel ist ein besonderes Beispiel für ein Spiel namens Gefangenendilemma.

Das Gefangenendilemma

Der Name dieses Spiels stammt von einer Geschichte über zwei Gefangene (wir nennen sie Thelma und Louise), deren Strategien darin bestehen, entweder die andere eines Verbrechens zu beschuldigen (anzuklagen), das sie gemeinsam begangen haben könnten, oder zu leugnen, dass die andere Gefangene daran beteiligt war.

Wenn sowohl Thelma als auch Louise leugnen, werden sie nach ein paar Tagen der Befragung freigelassen.

Wenn eine Person die andere beschuldigt, während die andere Person leugnet, wird die anklagende Person sofort freigelassen (eine Strafe von null Jahren), während die andere Person eine lange Gefängnisstrafe (zehn Jahre) erhält.

Wenn schließlich sowohl Thelma als auch Louise die Option Anklagen wählen (das heißt, jede beschuldigt die andere), werden beide zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Diese Strafe wird aufgrund ihrer Kooperation mit der Polizei von zehn Jahren auf fünf Jahre reduziert. Die Auszahlungen in diesem Spiel sind in Abbildung 4.4 dargestellt.

Gefangenendilemma (Auszahlungen sind Jahre im Gefängnis).
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Abbildung 4.4 Gefangenendilemma (Auszahlungen sind Jahre im Gefängnis).

(Die Auszahlungen werden in Form von Gefängnisjahren angegeben—Louise und Thelma bevorzugen also niedrigere Zahlen.)

In einem Gefangenendilemma haben beide Spieler:innen eine dominante Strategie (in diesem Beispiel lautet diese „Beschuldigen”), die, wenn sie von beiden gespielt wird, zu einem Ergebnis führt, das für beide schlechter ist, als wenn sie beide eine andere Strategie (in diesem Beispiel „Leugnen”) gewählt hätten.

Unsere Geschichte über Thelma und Louise ist hypothetisch, aber dieses Spiel lässt sich auf viele reale Probleme anwenden. Sehen Sie sich zum Beispiel den Ausschnitt aus der TV-Quizshow Golden Balls an, und Sie werden sehen, wie ein gewöhnlicher Mensch das Gefangenendilemma auf geniale Weise löst.

In der Volkswirtschaftslehre wird die für beide Seiten vorteilhafte Strategie (Leugnen) allgemein als Kooperation bezeichnet, während die dominante Strategie (Beschuldigen) als Defektion bezeichnet wird. Kooperation bedeutet nicht, dass sich die Spieler:innen zusammensetzen und besprechen, was zu tun ist. Die Regeln des Spiels sehen immer vor, dass alle Spieler:innen unabhängig voneinander über die eigene Strategie entscheiden.

Der Kontrast zwischen dem Spiel mit der unsichtbaren Hand und dem Gefangenendilemma zeigt, dass Eigeninteresse zu günstigen Ergebnissen führen kann, aber auch zu Ergebnissen, die niemand gutheißen würde. Solche Beispiele können uns helfen, genauer zu verstehen,

  • wie Märkte das Eigeninteresse nutzen können, um die Funktionsweise der Wirtschaft zu verbessern,
  • wo die Grenzen von Märkten liegen.

Drei Aspekte der Interaktion zwischen Anil und Bala veranlassten uns, einen unglücklichen Ausgang ihres Gefangenendilemma-Spiels vorherzusagen:

  • Sie legten keinen Wert auf die Auszahlungen des anderen und berücksichtigten daher nicht die Kosten, die ihre Handlungen der anderen Person auferlegten.
  • Es gab keine Möglichkeit für Anil, Bala oder irgendjemand anderen, den Landwirt, der das Insektengift (Terminator) eingesetzt hatte, für den Schaden, den es verursacht hatte, zur Rechenschaft zu ziehen.
  • Sie waren nicht in der Lage, im Voraus eine Vereinbarung darüber zu treffen, was jeder von ihnen tun würde. Wären sie dazu in der Lage gewesen, hätten sie sich einfach darauf einigen können ISB zu verwenden, oder den Einsatz von Terminator verbieten können.

Wenn wir eines oder mehrere dieser Probleme bewältigen können, würde manchmal das von beiden bevorzugte Ergebnis herauskommen. Im weiteren Verlauf dieser Einheit werden wir also untersuchen, wie dies geschehen kann.

Frage 4.3 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Dimitrios und Ameera arbeiten für eine internationale Investmentbank als Devisenhändler:innen. Sie werden von der Polizei zu ihrer mutmaßlichen Beteiligung an einer Reihe von Marktmanipulationen befragt. Die folgende Tabelle zeigt die Kosten jeder Strategie (in Form der Länge der Haftstrafen in Jahren, die sie erhalten werden), je nachdem, ob sie sich gegenseitig beschuldigen oder das Verbrechen leugnen. Die erste Zahl ist die Auszahlung für Dimitrios, während die zweite Zahl die Auszahlung für Ameera ist (die negativen Zahlen bedeuten Verluste). Gehen Sie davon aus, dass es sich bei dem Spiel um ein simultanes One-Shot-Spiel handelt.

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Aus diesen Informationen können wir schließen, dass:

  • Dimitrios und Ameera schweigen und ihre Beteiligung abstreiten werden.
  • Dimitrios und Ameera sich gegenseitig beschuldigen werden, auch wenn sie am Ende für acht Jahre im Gefängnis sitzen werden.
  • Ameera beschuldigen wird, egal welche Aussage sie von Dimitrios erwartet.
  • Eine geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Dimitrios und Ameera mit jeweils zwei Jahren davonkommen.
  • Leugnen ist sowohl für Dimitrios als auch für Ameera eine dominierte Strategie, also werden sie beschuldigen.
  • Sowohl für Dimitrios als auch für Ameera ist beschuldigen eine dominante Strategie. Daher ist das Ergebnis, bei dem sie beide beschuldigen und zu 8 Jahren Haft verurteilt werden, ein Dominanzstrategiegleichgewicht.
  • Beschuldigen ist Ameeras beste Antwort, unabhängig davon, was Dimitrios tut, also wird sie immer beschuldigen. Es ist eine dominante Strategie.
  • Dieses Ergebnis kann nur eintreten, wenn sowohl Dimitrios als auch Ameera leugnen. Leugnen ist für beide eine dominierte Strategie, so dass dieses Ergebnis niemals eintreten würde.

Übung 4.2 Politische Werbung

Viele Menschen betrachten Wahlkampfwerbung als ein klassisches Beispiel für ein Gefangenendilemma.

  1. Erläutern Sie anhand von Beispielen aus einer aktuellen politischen Kampagne, die Sie kennen, ob dies der Fall ist.
  2. Schreiben Sie eine beispielhafte Auszahlungsmatrix für diesen Fall auf.

4.4 Soziale Präferenzen: Altruismus

Wenn Studierende in Hörsaal- oder Laborexperimenten Spiele mit einem Gefangenendilemma spielen, bei denen es manchmal um beträchtliche Summen von echtem Geld geht, ist häufig zu beobachten, dass die Hälfte oder mehr der Teilnehmenden eher die Strategie Kooperation als Defektion spielen, obwohl die gegenseitige Defektion die dominante Strategie für Spieler:innen ist, denen es nur um ihre eigenen monetären Auszahlungen geht. Eine Interpretation dieser Ergebnisse ist, dass die Spieler:innen altruistisch sind.

Wenn Anil beispielsweise den Schaden ausreichend berücksichtigen würde, den er Bala durch den Einsatz von Terminator zufügen würde, als Bala ISB einsetzte, dann wäre ISB die beste Antwort von Anil auf Balas ISB gewesen. Und wenn Bala genauso geurteilt hätte, dann wäre ISB die beste Antwort für beide gewesen und die beiden hätten sich nicht länger in einem Gefangenendilemma befunden.

Eine Person, die bereit ist, Kosten zu tragen, um einer anderen Person zu helfen, hat altruistische Präferenzen. In dem eben genannten Beispiel war Anil bereit, auf eine Einheit Auszahlung zu verzichten, weil Bala dadurch zwei Einheiten verloren hätte. Es kostete ihn eine Einheit, sich für ISB zu entscheiden, als Bala sich für ISB entschieden hatte, und brachte Bala einen Nutzen von zwei, was bedeutet, dass er altruistisch gehandelt hat.

soziale Präferenzen
Präferenzen, die dem, was anderen Menschen widerfährt, einen Wert beimessen, auch wenn dies zu einer geringeren Auszahlung für den Einzelnen führt.

Die ökonomischen Modelle, die wir in Einheit 3 verwendet haben, gingen von eigennützigen Präferenzen aus: Alexei, der Student, und Angela, die Landwirtin, sorgten sich um ihre eigene Freizeit und ihre eigenen Noten oder ihren eigenen Konsum. Menschen kümmern sich im Allgemeinen nicht nur darum, was mit ihnen selbst geschieht, sondern auch darum, was mit anderen geschieht. Dann sagen wir, dass das Individuum soziale Präferenzen hat. Altruismus ist ein Beispiel für eine soziale Präferenz. Auch Neid und Missgunst sind soziale Präferenzen.

Altruistische Präferenzen als Indifferenzkurven

In den vorherigen Einheiten haben wir Indifferenzkurven und realisierbare Mengen verwendet, um Alexeis und Angelas Verhalten zu modellieren. Wir können dasselbe tun, um zu untersuchen, wie Menschen interagieren, wenn soziale Präferenzen Teil ihrer Motivation sind.

Stellen Sie sich die folgende Situation vor. Anil hat einige Lose für die nationale Lotterie erhalten, und eines davon hat einen Preis von 10 000 INR gewonnen. Er kann natürlich das ganze Geld für sich behalten, aber er kann auch einen Teil davon mit seinem Nachbarn Bala teilen. Abbildung 4.5 stellt die Situation grafisch dar. Die horizontale Achse stellt den Geldbetrag (in Tausend INR) dar, den Anil für sich behält, und die vertikale Achse den Betrag, den er an Bala weitergibt. Jeder Punkt (x, y) steht für eine Kombination von Geldbeträgen für Anil (x) und Bala (y) in Tausend INR. Das schattierte Dreieck zeigt die möglichen Optionen für Anil. Bei der Ecke (10, 0) auf der horizontalen Achse behält Anil alles. An der anderen Ecke (0, 10) auf der vertikalen Achse gibt Anil alles an Bala ab. Anils realisierbare Menge ist der schattierte Bereich.

Nullsummenspiel
Ein Spiel, bei dem die Gewinne und Verluste der Individuen bei allen Kombinationen von Strategien, die sie verfolgen könnten, die Summe Null ergeben.

Die Begrenzung des schattierten Bereichs ist die Machbarkeitsgrenze. Wenn Anil sein Preisgeld zwischen sich und Bala aufteilt, wählt er einen Punkt auf dieser Grenze (innerhalb der Grenze zu sein würde bedeuten, einen Teil des Geldes wegzuwerfen). Die Wahl zwischen den Punkten auf der Machbarkeitsgrenze wird Nullsummenspiel genannt, weil bei der Wahl des Punktes B anstelle des Punktes A, wie in Abbildung 4.5, die Summe von Anils Verlusten und Balas Gewinnen gleich null ist (zum Beispiel hat Anil bei B 3000 INR weniger als bei A, und Bala hat bei B 3000 INR und bei A nichts).

Anils Präferenzen können durch Indifferenzkurven dargestellt werden, die Kombinationen der Beträge für Anil und Bala zeigen, die von Anil alle gleichermaßen bevorzugt werden. Abbildung 4.5 veranschaulicht zwei Fälle. Im ersten Fall hat Anil eigennützige Präferenzen, so dass seine Indifferenzkurven gerade vertikale Linien sind. Im zweiten Fall ist er in gewisser Weise altruistisch—er sorgt sich um Bala—, so dass seine Indifferenzkurven fallend sind.

Wie Anil seinen Lottogewinn verteilt, hängt davon ab, ob er egoistisch oder altruistisch ist.
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Abbildung 4.5 Wie Anil seinen Lottogewinn verteilt, hängt davon ab, ob er egoistisch oder altruistisch ist.

Mögliche Auszahlungsbeträge
: Jeder Punkt (x, y) in der Abbildung stellt eine Kombination von Geldbeträgen für Anil (x) und Bala (y) in Tausend INR dar. Das schattierte Dreieck zeigt die möglichen Optionen für Anil.
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Mögliche Auszahlungsbeträge

Jeder Punkt (x, y) in der Abbildung steht für eine Kombination von Geldbeträgen für Anil (x) und Bala (y), in Tausend INR. Das schattierte Dreieck zeigt die möglichen Optionen für Anil.

Indifferenzkurven, wenn Anil eigennützig ist
: Wenn es Anil völlig egal ist, was Bala bekommt, sind seine Indifferenzkurven gerade vertikale Linien. Es ist ihm gleichgültig, ob Bala viel oder nichts bekommt. Er bevorzugt Kurven, die weiter rechts liegen, da er so mehr Geld bekommt.
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Indifferenzkurven, wenn Anil eigennützig ist

Wenn es Anil völlig egal ist, was Bala bekommt, sind seine Indifferenzkurven gerade vertikale Linien. Es ist ihm gleichgültig, ob Bala viel oder nichts bekommt. Er bevorzugt Kurven, die weiter rechts liegen, da er so mehr Geld bekommt.

Anils beste Option
: Angesichts seiner realisierbaren Menge ist die beste Option für Anil A, bei der er das gesamte Geld behält.
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Anils beste Option

Angesichts seiner realisierbaren Menge ist die beste Option für Anil A, bei der er das gesamte Geld behält.

Was, wenn Anil sich um Balas Wohlbefinden sorgt?
: Aber Anil kann sich auch um seinen Nachbarn Bala kümmern. In diesem Fall ist er glücklicher, wenn Bala reicher ist: Das heißt, er zieht Nutzen aus Balas Wohlbefinden. In diesem Fall hat er fallende Indifferenzkurven.
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Was, wenn Anil sich um Balas Wohlbefinden sorgt?

Aber Anil kann sich auch um seinen Nachbarn Bala kümmern. In diesem Fall ist er glücklicher, wenn Bala reicher ist: Das heißt, er zieht Nutzen aus Balas Wohlbefinden. In diesem Fall hat er fallende Indifferenzkurven.

Anils Indifferenzkurven, wenn er etwas altruistisch ist
: Die Punkte B und C werden von Anil gleichermaßen bevorzugt, so dass es in Anils Augen genauso gut ist, wenn Anil 7 behält und Bala 3 bekommt, wie wenn Anil 6 bekommt und Bala 5. Seine beste mögliche Option ist Punkt B.
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Anils Indifferenzkurven, wenn er etwas altruistisch ist

Die Punkte B und C werden von Anil gleichermaßen bevorzugt, so dass es in Anils Augen genauso gut ist, wenn Anil 7 behält und Bala 3 bekommt, wie wenn Anil 6 bekommt und Bala 5. Seine beste mögliche Option ist Punkt B.

Wenn Anil eigennützig ist, ist die beste Option angesichts der realisier­baren Menge A, bei der er das gesamte Geld behält. Wenn er Nutzen aus Balas Konsum zieht, hat er fallende Indifferenzkurven, so dass er mögli­cherweise ein Ergebnis bevorzugt, bei dem Bala einen Teil des Geldes erhält.

Leibniz: Die optimale Verteilung bei altruistischen Präferenzen finden

Mit den spezifischen Indifferenzkurven, die in Abbildung 4.5 gezeigt werden, ist die beste realisierbare Option für Anil der Punkt B (7, 3), bei dem Anil 7000 INR behält und 3000 an Bala gibt. Anil zieht es vor, 3000 INR an Bala zu geben, auch wenn ihn das 3000 INR kostet. Dies ist ein Beispiel für Altruismus: Anil ist bereit, Kosten in Kauf zu nehmen, um anderen zu helfen.

Übung 4.3 Altruismus und Selbstlosigkeit

Unter Verwendung der gleichen Achsen wie in Abbildung 4.5:

  1. Wie würden Anils Indifferenzkurven aussehen, wenn ihm der Konsum von Bala genauso wichtig wäre wie sein eigener?
  2. Wie sähen sie aus, wenn er seinen Nutzen nur aus der Summe seines und Balas Konsums ableiten würde?
  3. Wie sähen sie aus, wenn er seinen Nutzen nur aus dem Konsum von Bala ableiten würde?
  4. Geben Sie für jeden dieser Fälle eine reale Situation an, in der Anil diese Präferenzen haben könnte, und stellen Sie sicher, dass Sie angeben, wie Anil und Bala ihre Auszahlungen beziehen.

Frage 4.4 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

In Abbildung 4.5 hat Anil gerade im Lotto gewonnen und 10 000 INR erhalten. Er überlegt, wie viel (wenn überhaupt) er von dieser Summe mit seinem Freund Bala teilen möchte. Bevor er es schafft, seinen Gewinn zu teilen, erhält Anil einen Hinweis auf die zu zahlende Steuer auf den Lottogewinn. Die zu zahlende Steuer für diesen Gewinn liegt bei 3000 INR. Welche der folgenden Aussagen trifft zu?

  • Bala erhält 3000 INR, wenn Anil etwas altruistisch ist.
  • Wenn Anil vor der Steuerrechnung etwas altruistisch war und 7000 INR behalten hätte, wird er nach der Steuer immer noch 700 INR behalten, wenn er völlig egoistisch wird.
  • Anil wird sich nach der Steuer auf einer niedrigeren Indifferenzkurve befinden.
  • Wäre Anil so extrem altruistisch gewesen, dass er sich nur um Balas Anteil gekümmert hätte, dann hätte Bala vor und nach der Steuerrechnung das gleiche Einkommen erhalten.
  • Ohne die Steuer hätte Anil genau 3000 INR an Bala gespendet. Da das Gesamteinkommen nun bei 7000 INR liegt, wird sich Anil dafür entscheiden, weniger zu spenden als dies.
  • Wir gehen davon aus, dass die Präferenzen fix sind. Daher wird Anil etwas altruistisch bleiben und Bala einen Teil seines Gewinns abgeben, auch wenn er Steuern zahlen muss.
  • Die Steuer kann als eine Verschiebung der Machbarkeitsgrenze nach innen dargestellt werden. Daher wird Anils optimale Wahl dazu führen, dass er sich auf einer niedrigeren Indifferenzkurve befindet als zuvor.
  • Bala hätte vor und nach der Steuer 10 000 beziehungsweise 7000 INR erhalten.

4.5 Altruistische Präferenzen im Gefangenendilemma

Als Anil und Bala Schädlinge loswerden wollten (Abschnitt 4.3), befanden sie sich in einem Gefangenendilemma. Ein Grund für das unglückliche Ergebnis war, dass sie die Kosten, die ihre Handlungen für die andere Person mit sich brachten, nicht berücksichtigten. Die Entscheidung für die Schädlingsbekämpfung mit dem Insektizid bedeutete einen Free-ride auf dem Beitrag des anderen Landwirts zur Gewährleistung von sauberem Wasser.

Wenn Anil das Wohlergehen von Bala ebenso am Herzen liegt wie sein eigenes, kann das Ergebnis anders ausfallen.

In Abbildung 4.6 stellen die beiden Achsen nun die Auszahlungen von Anil und Bala dar. Genau wie im Beispiel mit dem Lotto zeigt das Diagramm die realisierbaren Ergebnisse. In diesem Fall hat die realisierbare Menge jedoch nur vier Punkte. Wir haben die Namen der Strategien der Einfachheit halber abgekürzt: Terminator ist T, ISB ist I. Beachten Sie, dass Bewegungen nach oben und nach rechts von (T, T) nach (I, I) für beide Seiten von Vorteil sind: Beide erhalten höhere Auszahlungen. Andererseits sind Bewegungen nach oben und nach links oder nach unten und nach rechts—von (I, T) nach (T, I) oder umgekehrt—Gewinn-Verlust Veränderungen. Gewinn-Verlust bedeutet, dass Bala eine höhere Auszahlung auf Kosten von Anil erhält, oder dass Anil auf Kosten von Bala profitiert.

Wie bei der Aufteilung von den Lottogewinnen, betrachten wir zwei Fälle. Wenn Anil das Wohlergehen von Bala egal ist, sind seine Indifferenzkurven vertikale Linien. Wenn ihm das Wohlbefinden von Bala wichtig ist, sind seine Indifferenzkurven fallend. Arbeiten Sie Abbildung 4.6 durch, um zu sehen, was in jedem Fall passiert.

Anils Entscheidung, ISB (I) oder Terminator (T) als Strategie für den Anbau zu verwenden, hängt davon ab, ob er völlig egoistisch oder eher altruistisch ist.
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Abbildung 4.6 Anils Entscheidung, ISB (I) oder Terminator (T) als Strategie für den Anbau zu verwenden, hängt davon ab, ob er völlig egoistisch oder eher altruistisch ist.

Die Auszahlungen von Anil und Bala
: Die beiden Achsen in der Abbildung stellen die Auszahlungen von Anil und Bala dar. Die vier Punkte sind die realisierbaren Ergebnisse, die mit den Strategien verbunden sind.
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Die Auszahlungen von Anil und Bala

Die beiden Achsen in der Abbildung stellen die Auszahlungen von Anil und Bala dar. Die vier Punkte sind die realisierbaren Ergebnisse, die mit den Strategien verbunden sind.

Anils Indifferenzkurven, wenn er ihm Bala egal ist
: Wenn Anil das Wohlergehen von Bala egal ist, sind seine Indifferenzkurven vertikal, so dass (T, I) sein bevorzugtes Ergebnis ist. Er bevorzugt (T, I) gegenüber (I, I), sollte also T wählen, wenn Bala I wählt. Wenn Anil völlig egoistisch ist, ist T eindeutig seine beste Wahl.
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Anils Indifferenzkurven, wenn er ihm Bala egal ist

Wenn Anil das Wohlergehen von Bala egal ist, sind seine Indifferenzkurven vertikal, also ist (T, I) sein bevorzugtes Ergebnis. Er bevorzugt (T, I) gegenüber (I, I), sollte also T wählen, wenn Bala I wählt. Wenn Anil völlig egoistisch ist, ist T eindeutig seine beste Wahl.

Anils Indifferenzkurven, wenn ihm Bala nicht egal ist
: Wenn Anil das Wohlergehen von Bala am Herzen liegt, sind die Indifferenzkurven fallend und (I, I) ist sein bevorzugtes Ergebnis. Wenn Bala I wählt, sollte Anil I wählen. Anil sollte auch I wählen, wenn Bala T wählt, da er (I, T) gegenüber (T, T) bevorzugt.
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Anils Indifferenzkurven, wenn ihm Bala nicht egal ist

Wenn Anil das Wohlergehen von Bala am Herzen liegt, sind die Indifferenzkurven fallend und (I, I) ist sein bevorzugtes Ergebnis. Wenn Bala I wählt, sollte Anil I wählen. Anil sollte auch I wählen, wenn Bala T wählt, da er (I, T) gegenüber (T, T) bevorzugt.

Abbildung 4.6 zeigt, dass wenn Anil völlig eigennützig ist, seine dominante Strategie Terminator ist (wie wir bereits gesehen haben). Wenn Anil das Wohlergehen von Bala ausreichend am Herzen liegt, ist seine dominante Strategie ISB. Wenn Bala genauso empfindet, würden sich beide für ISB entscheiden, was zu dem Ergebnis führt, das sie beide am meisten bevorzugen.

Die wichtigste Lektion ist, dass soziale Dilemmas leichter zu lösen sind, wenn sich die Menschen umeinander sorgen. Dies hilft uns, die historischen Beispiele zu verstehen, in denen Menschen bei der Bewässerung zusammenarbeiten oder das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht durchsetzen, anstatt als Free-rider die Kooperation anderer zu nutzen.

Frage 4.5 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Abbildung 4.6 zeigt für das Gefangenendilemma-Spiel die Präferenzen von Anil, wenn er völlig egoistisch ist, und auch, wenn er etwas altruistisch ist.

Anhand des Diagramms können wir sagen, dass:

  • Wenn Anil völlig egoistisch ist, ist der Einsatz von Terminator seine dominante Strategie.
  • Wenn Anil etwas altruistisch ist, ist die Verwendung von Terminator seine dominante Strategie.
  • Wenn Anil vollkommen egoistisch ist, ist (T, T) das Dominanzstrate­giegleichgewicht, auch wenn es für ihn auf einer niedrigeren Indifferenzkurve liegt als (T, I).
  • Wenn Anil etwas altruistisch ist und Balas Präferenzen die gleichen sind wie die von Anil, (I, I) als Dominanzstrategiegleichgewicht erreicht wird.
  • (T, I) liegt auf einer ‚höheren‘ vertikalen Indifferenzkurve als (I, I) (das heißt, weiter rechts) und (T, T) liegt auf einer höheren vertikalen Indifferenzkurve als (I, T). Der Einsatz von Terminator ist also eine dominante Strategie für Anil, wenn er vollkommen egoistisch ist.
  • Wenn Anil etwas altruistisch ist, liegt (I, I) auf einer höheren Indifferenzkurve als (T, I) und (I, T) liegt auf einer höheren Indifferenzkurve als (T, T). Die Verwendung von ISB ist also die dominante Strategie von Anil.
  • Terminator ist eine dominante Strategie für beide Spieler, so dass (T, T) ein Dominanzstrategiegleichgewicht darstellt. Anil würde (T, I) bevorzugen, aber Bala wird niemals ISB wählen.
  • ISB ist eine dominante Strategie für Anil, wenn er etwas altruistisch ist. Wenn Bala die gleichen Präferenzen hat, wird ISB auch für sie eine dominante Strategie sein, so dass (I, I) das Dominanzstrategiegleichgewicht ist.

Übung 4.4 Amoralischer Eigennutzen

Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, in der alle nur an sich selbst interessiert (sich nur um das eigene Vermögen kümmern würden) und amoralisch wären (keine ethischen Regeln befolgen würden, die den Erwerb dieses Vermögens beeinträchtigen würden). Wie würde sich diese Gesellschaft von der Gesellschaft, in der Sie leben, unterscheiden? Bedenken Sie dabei Folgendes:

  • Familien
  • Arbeitswelt
  • Nachbarschaften
  • Verkehr
  • politische Aktivitäten (würden die Menschen wählen gehen?)

4.6 Öffentliche Güter, Free-riding und wiederholte Interaktion

Betrachten wir nun den zweiten Grund für einen unglücklichen Ausgang des Gefangenendilemmas. Es gab keine Möglichkeit für Anil oder Bala (oder irgendjemand anderen), denjenigen, der das Insektizid eingesetzt hatte, für den Schaden, den es verursacht hatte, zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Probleme von Anil und Bala sind hypothetisch, aber sie zeigen das reale Dilemma des Free-rides, mit dem viele Menschen auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Wie in Spanien sind zum Beispiel viele Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Südostasiens auf eine gemeinsame Bewässerungsanlage angewiesen, um ihre Ernte zu produzieren. Das System erfordert ständige Wartung und neue Investitionen. Jede Landwirt:in steht vor der Entscheidung, wie viel sie oder er zu diesen Aktivitäten beitragen will. Diese Aktivitäten kommen der gesamten Gemeinschaft zugute, und wenn die Arbeitskräfte sich nicht freiwillig beteiligen, können andere die Arbeit trotzdem erledigen.

Stellen Sie sich vor, es gibt vier Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, die entscheiden, ob sie sich an der Instandhaltung eines Bewässerungsprojekts beteiligen wollen.

öffentliches Gut
Ein Gut, dessen Nutzung durch eine Person seine Verfügbarkeit für andere nicht verringert. Auch bekannt als: nicht-rivales Gut. Siehe auch: nicht ausschließbares öffentliches Gut, künstlich knappes Gut.

Die Kosten für den Beitrag zum Projekt betragen jeweils 10 USD. Wenn jedoch eine Person einen Beitrag leistet, profitieren alle vier von den höheren Erträgen, die durch die Bewässerung erzielt werden, sodass jede Landwirt:in einen Gewinn von je 8 USD erhält. Der Beitrag zum Bewässerungsprojekt wird als öffentliches Gut bezeichnet: Wenn eine Person die Kosten für die Bereitstellung des Gutes trägt, erhalten alle einen Nutzen.

Betrachten wir nun die Entscheidung, vor der Kim, eine der vier Personen, steht. Abbildung 4.7 zeigt, wie ihre Entscheidung von ihrem Gesamteinkommen abhängt, aber auch von der Anzahl der anderen, die sich für einen Beitrag zum Bewässerungsprojekt entscheiden.

Kims Auszahlungen im Spiel der öffentlichen Güter.
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Abbildung 4.7 Kims Auszahlungen im Spiel der öffentlichen Güter.

Wenn zum Beispiel zwei der anderen einen Beitrag leisten, erhält Kim von jedem ihrer Beiträge einen Nutzen von 8 USD. Wenn sie also selbst keinen Beitrag leistet, beträgt ihre gesamte Auszahlung, die in rot dargestellt ist, 16 USD. Wenn sie sich entscheidet, einen Beitrag zu leisten, erhält sie einen zusätzlichen Nutzen von 8 USD (und die anderen drei auch). Allerdings fallen für sie Kosten in Höhe von 10 USD an, so dass ihre gesamte Auszahlung 14 SD beträgt, wie in Abbildung 4.7 dargestellt und in Abbildung 4.8 berechnet.

Von den Beiträgen der anderen profitieren 16
Plus Nutzen aus ihrem eigenen Beitrag + 8
Abzüglich der Kosten für ihren Beitrag 10
Gesamt USD 14

Abbildung 4.8 Beispiel: Wenn zwei andere Personen einen Beitrag leisten, ist Kims Auszahlung geringer, wenn sie ebenfalls einen Beitrag leistet.

Die Abbildungen 4.7 und 4.8 veranschaulichen das soziale Dilemma. Wie auch immer sich die anderen Personen entscheiden, Kim verdient mehr Geld, wenn sie keinen Beitrag leistet, als wenn sie einen leistet. Nicht beizutragen ist eine dominante Strategie. Sie kann die Beiträge der Anderen als Free-ride nutzen.

Bei diesem Spiel der öffentlichen Güter handelt es sich um ein Gefangenendilemma, bei dem es mehr als zwei Spieler:innen gibt. Wenn sich die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft nur um ihre eigene monetäre Auszahlung kümmern, gibt es ein Dominanzstrategiegleichgewicht, bei dem niemand einen Beitrag leistet und ihre Auszahlungen alle gleich null sind. Würden hingegen alle einen Beitrag leisten, bekäme jede Arbeitskraft 22 USD. Wenn alle kooperieren, würden alle profitieren, aber unabhängig davon, was die anderen tun, ist es für jede Arbeitskraft besser, als Free-rider von den anderen zu profitieren.

Altruismus könnte helfen, das Free-ride Problem zu lösen: Wenn Kim die anderen Personen am Herzen lägen, wäre sie vielleicht bereit, sich an dem Bewässerungsprojekt zu beteiligen. Wenn jedoch eine große Zahl von Menschen an einem Öffentlichen-Gut-Spiel beteiligt ist, ist es weniger wahrscheinlich, dass Altruismus ausreicht, um ein für alle Seiten vorteilhaftes Ergebnis zu erzielen.

Trotzdem haben sich Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sowie Fischerei in der ganzen Welt, in vielen Fällen mit großem Erfolg, mit öffentlichen Gütern auseinandergesetzt. Die Erkenntnisse, die die Politikwissenschaftlerin Elinor Ostrom und andere Forscher:innen über gemeinsame Bewässerungsprojekte in Indien, Nepal und anderen Ländern gesammelt haben, zeigen, dass der Grad der Kooperation unterschiedlich ist. In einigen Gemeinschaften fördert eine Vertrauensbasis die Kooperation. In anderen wiederum findet keine Kooperation statt. In Südindien zum Beispiel gab es in Dörfern mit extremen Ungleichheiten in Bezug auf Land und Kastenstatus mehr Konflikte um die Wassernutzung. Weniger ungleiche Dörfer hielten ihre Bewässerungssysteme besser instand: Es war einfacher, die Kooperation aufrechtzuerhalten.8

Bedeutende Ökonominnen und Ökonomen Elinor Ostrom

Elinor Ostrom Die Wahl der Politikwissenschaft­lerin Elinor Ostrom (1933–2012) als Mitpreisträgerin des Nobelpreises 2009 hat die meisten Ökonominnen und Ökonomen überrascht. Steven Levitt, Professor an der Universität von Chicago, gab beispielsweise zu, dass er nichts über ihre Arbeit wusste und sich „nicht daran erinnern kann, dass ihr Name jemals von Ökonominnen und Ökonomen erwähnt worden wäre“.

Einige verteidigten die Entscheidung jedoch energisch. Vernon Smith, ein experimenteller Ökonom, der bereits zuvor den Preis erhalten hatte, beglückwünschte das Nobelkomitee dazu, dass es ihre Originalität, ihren „wissenschaftlichen gesunden Menschenverstand“ und ihre Bereitschaft, „genau auf die Daten zu hören“, anerkannt habe.

Ostroms gesamte akademische Laufbahn konzentrierte sich auf ein Konzept, das in der Volkswirtschaftslehre eine zentrale Rolle spielt, aber nur selten näher untersucht wird: das Eigentum. Ronald Coase hatte festgestellt, wie wichtig klar abgegrenzte Eigentumsrechte sind, wenn die Handlungen einer Person das Wohlergehen anderer beeinträchtigen. Coases Hauptanliegen war jedoch die Grenze zwischen der einzelnen Person und dem Staat bei der Regulierung solcher Handlungen. Ostrom erforschte den Mittelweg, bei dem Gemeinschaften und nicht Individuen oder formale Regierungen die Eigentumsrechte besitzen.

Damals galt die gängige Meinung, dass informelles kollektives Eigentum von Ressourcen zu einer „Tragik der Allmende“ führen würde. Das heißt, Ökonominnen und Ökonomen glaubten, dass die Ressourcen unter einem Gemeineigentumssystem nicht effizient und nachhaltig genutzt werden könnten. Dank Elinor Ostrom ist diese Ansicht nicht mehr dominierend.

Zunächst unterschied sie zwischen Ressourcen, die als Gemeineigentum gehalten werden, und solchen, die dem freien Zugang unterliegen:

  • Gemeinschaftseigentum umfasst eine genau definierte Gemeinschaft von Nutzenden, die in der Praxis, wenn nicht sogar nach dem Gesetz, in der Lage sind, Außenstehende an der Nutzung der Ressource zu hindern. Küstenfischerei, Weideland oder Waldgebiete sind Beispiele dafür.
  • Frei zugängliche Ressourcen wie zum Beispiel die Hochseefischerei oder die Atmosphäre als Kohlenstoffsenke können ohne Einschränkungen genutzt werden, mit Ausnahme derer, die von Staaten selbst oder durch internationale Abkommen auferlegt werden.
soziale Norm
Ein den meisten Angehörigen einer Gesellschaft gemeinsames Verständnis darüber, was Menschen in einer bestimmten Situation tun sollten, wenn ihre Handlungen andere beeinflussen.

Ostrom war nicht die einzige, die diese Unterscheidung betonte, aber sie stützte sich auf eine einzigartige Kombination von Fallstudien, statistischen Methoden, spieltheoretischen Modellen mit unorthodoxen Bestandteilen und Laborexperimenten, um zu verstehen, wie Tragiken der Allmende abgewendet werden können.

Sie entdeckte große Unterschiede in der Art und Weise, wie Gemeineigentum verwaltet wird. Einige Gemeinschaften waren in der Lage, Regeln aufzustellen und sich auf soziale Normen zu stützen, um eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen durchzusetzen, während dies anderen nicht gelang. Ein großer Teil ihrer Karriere war der Ermittlung der Erfolgskriterien gewidmet, und der Nutzung von Theorie, um zu verstehen, warum einige Regelungen gut funktionierten und andere nicht.

Viele Ökonominnen und Ökonomen glaubten, dass sich die Vielfalt der Ergebnisse mit Hilfe der Theorie der wiederholten Spiele erklären ließe. Diese Theorie besagt, dass selbst dann, wenn alle Individuen nur an sich selbst interessiert sind, kooperative Ergebnisse auf unbegrenzte Zeit aufrechterhalten werden können, wenn die Interaktionen mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit wiederholt werden und die Individuen geduldig genug sind.

Für Ostrom war dies jedoch keine befriedigende Erklärung. Unter anderem deshalb, weil dieselbe Theorie voraussagte, dass jedes beliebige Ergebnis, einschließlich einer schnellen Erschöpfung, eintreten könnte.

Vor allem aber wusste Ostrom, dass die nachhaltige Nutzung durch Handlungen erzwungen wurde, die eindeutig von der Hypothese des materiellen Eigeninteresses abwichen. Insbesondere würden Individuen bereit sein, erhebliche Kosten zu tragen, um Verstöße gegen Regeln oder Normen zu bestrafen. Wie der Ökonom Paul Romer es formulierte, erkannte sie die Notwendigkeit, „die Modelle menschlicher Präferenzen um eine mögliche Bereitschaft, andere zu bestrafen, zu erweitern“.

Ostrom entwickelte einfache spieltheoretische Modelle, in denen Individuen unorthodoxe Präferenzen haben und für die die Themen Vertrauen und Gegenseitigkeit von zentraler Bedeutung sind. Und sie suchte nach Wegen, wie Menschen, die mit einem sozialen Dilemma konfrontiert sind, eine Tragödie vermeiden, indem sie die Regeln so ändern, dass sich der strategische Charakter der Interaktion veränderte.

In Zusammenarbeit mit Ökonominnen und Ökonomen führte sie eine innovative Reihe von Experimenten durch, in denen sie die weit verbreitete Anwendung kostspieliger Strafen als Reaktion auf die übermäßige Entnahme von Ressourcen bestätigte und außerdem die Macht der Kommunikation und die entscheidende Rolle informeller Vereinbarungen bei der Förderung der Kooperation nachwies. Thomas Hobbes, ein Philosoph des 17. Jahrhunderts, hatte behauptet, dass Vereinbarungen von Regierungen durchgesetzt werden müssten, da „Verträge ohne das Schwert nur Worte sind und keine Kraft haben, einen Menschen zu schützen“. Ostrom war da anderer Meinung. Wie sie im Titel eines einflussreichen Artikels schrieb, machen Abkommen—auch ohne Schwert—Selbstverwaltung möglich.9

Soziale Präferenzen erklären zum Teil, warum diese Gemeinschaften die Tragik der Allmende von Garrett Hardin vermeiden. Sie können aber auch Wege finden, um Free-riding abzuschrecken.

Wiederholte Spiele

Heutiges Free-riding auf den Beiträgen anderer Angehörigen der eigenen Gemeinschaft kann morgen oder in einigen Jahren unangenehme Folgen haben. Kontinuierliche Beziehungen sind ein wichtiges Merkmal sozialer Interaktionen, das in den von uns bisher verwendeten Modellen nicht erfasst wurde: Das Leben ist kein einmaliges Spiel.

Die Interaktion zwischen Anil und Bala in unserem Modell war ein One-Shot-Spiel. Als Eigentümer benachbarter Felder sind Anil und Bala jedoch realistischer dargestellt, wenn sie wiederholt interagieren.

Stellen Sie sich vor, wie anders die Dinge verlaufen würden, wenn wir ihre Interaktion als ein Spiel darstellen würden, das jede Saison wiederholt wird. Nehmen wir an, dass Bala die ISB übernommen hat. Was ist die beste Antwort für Anil? Er würde folgendermaßen argumentieren:

Anil
Wenn ich ISB spiele, wird Bala das vielleicht auch weiterhin tun, aber wenn ich Terminator einsetze—was meine Gewinne in dieser Saison erhöhen würde—, würde Bala nächstes Jahr Terminator einsetzen. Wenn ich also jetzt nicht extrem ungeduldig in Bezug auf Einkommen bin, bleibe ich lieber bei ISB.

Bala könnte auf genau dieselbe Weise argumentieren. Das Ergebnis könnte sein, dass sie dann für immer mit ISB weiterspielen würden.

Im nächsten Abschnitt werden wir uns experimentelle Belege dafür ansehen, wie sich Menschen verhalten, wenn ein Spiel mit öffentlichen Gütern wiederholt wird.

Frage 4.6 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Vier Landwirtinnen und Landwirte entscheiden, ob sie sich an der Instandhaltung eines Bewässerungsprojekts beteiligen wollen. Die Beteiligung an dem Projekt kostet je 10 USD. Aber für jede Person, die einen Beitrag leistet, profitieren alle vier von einer Steigerung ihrer Erträge und erhöhen ihren Gewinn um 8 USD.

Welche der folgenden Aussagen ist richtig?

  • Wenn alle egoistisch sind, wird keine Person einen Beitrag leisten.
  • Wenn eine Person, Kim, sich um ihren Nachbarn Jim genauso kümmert wie um sich selbst, wird sie 10 USD beisteuern.
  • Wenn Kim altruistisch ist und 10 USD spendet, werden die anderen vielleicht auch einen Beitrag leisten, selbst wenn sie egoistisch sind.
  • Wenn die Personen diese Entscheidung jedes Jahr neu treffen müssen, werden sie sich vielleicht auch dann für den Beitrag von 10 USD entscheiden, wenn sie egoistisch sind.
  • Nicht beitragen ist eine dominante Strategie für alle Personen: was auch immer die anderen tun, ihr eigener Nutzen aus dem Beitrag ist 8 USD, aber die Kosten sind 10 USD.
  • Wenn Kim die einzige ist, die einen Beitrag leistet, erhalten alle anderen 8 USD. Wenn Kim sich um Jim genauso kümmert wie um sich selbst, dann ist ihre Auszahlung die Summe aus dem, was sie erhält (8 USD) und dem, was Jim erhält (8 USD), also 16 USD. Da 16 USD höher ist als die Kosten des Beitrags (10 USD), wird Kim einen Beitrag leisten.
  • Was auch immer Kim tut, die dominante Strategie für eine egoistische Person ist „Nicht beitragen“.
  • Wenn die Personen eine dauerhafte Beziehung zueinander haben, können sie sich alle dazu entschließen, einen Beitrag zu leisten, um von den zukünftigen Vorteilen einer kontinuierlichen Kooperation zu profitieren. Wenn eine von ihnen in einem Jahr keinen Beitrag leisten würde, würde die Kooperation scheitern. Da sie dies wissen, hätten sie einen Anreiz, in der Gegenwart beizutragen.

4.7 Beiträge zum öffentlichen Gut und Bestrafung durch Gleichgestellte

Das Experiencing Economics eBook enthält ein Spiel zu öffentlichen Gütern, das Sie mit Ihren Studierenden im Hörsaal oder im synchronen Online-Unterricht spielen können. Im Abschnitt für Lehrkräfte finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Durchführung des Spiels.

Ein Experiment zeigt, dass Menschen in einem Spiel mit öffentlichen Gütern ein hohes Maß an Kooperation aufrechterhalten können, solange sie die Möglichkeit haben, Free-rider zu adressieren, sobald klar wird, wer weniger als die Norm beiträgt.

Abbildung 4.9a zeigt die Ergebnisse von Laborexperimenten, die die Kosten und den Nutzen von Beiträgen für ein öffentliches Gut in der realen Welt imitieren. Die Experimente wurden in Städten auf der ganzen Welt durchgeführt. In jedem Experiment spielen die Teilnehmenden 10 Runden eines Spiels mit öffentlichen Gütern, ähnlich wie bei dem Spiel mit Kim und den anderen Landwirtinnen und Landwirten, das wir gerade beschrieben haben. In jeder Runde erhalten die Teilnehmenden des Experiments (wir nennen sie Versuchspersonen) 20 USD. Sie werden nach dem Zufallsprinzip in kleine Gruppen von typischerweise vier Personen eingeteilt, die sich nicht kennen. Sie werden gebeten, sich für einen Beitrag ihrer 20 USD zu einem gemeinsamen Topf mit Bargeld zu entscheiden. Der Geldtopf (auch Pool genannt) ist ein öffentliches Gut. Für jeden gespendeten Dollar erhält jede Person in der Gruppe 0,40 USD, einschließlich der spendenden Person.

Stellen Sie sich vor, Sie spielen das Spiel und erwarten, dass die anderen drei Angehörigen Ihrer Gruppe jeweils 10 USD beisteuern. Wenn Sie dann nicht beitragen, erhalten Sie 32 USD (3 Auszahlungen von 4 USD aus den Beiträgen der anderen plus die anfänglichen 20 USD, die Sie behalten). Die anderen haben 10 USD eingezahlt, so dass sie jeweils nur 32 USD − 10 USD = 22 USD erhalten. Wenn Sie dagegen ebenfalls 10 USD einzahlen, erhalten alle, auch Sie, 22 USD + 4 USD = 26 USD. Zum Leidwesen der Gruppe schneiden Sie besser ab, wenn Sie keinen Beitrag leisten, denn die Auszahlung für Free-riding (32 USD) ist größer als für einen Beitrag (26 USD). Und zum Pech für Sie gilt das Gleiche für alle anderen Personen in Ihrer Gruppe.

Nach jeder Runde werden den Teilnehmenden die Beiträge der anderen Mitglieder ihrer Gruppe mitgeteilt. In Abbildung 4.9a stellt jede Linie die Entwicklung der durchschnittlichen Beiträge im Laufe der Zeit an einem anderen Ort der Welt dar. Genau wie beim Gefangenendilemma sind die Menschen definitiv nicht ausschließlich eigennützig.

Weltweite Experimente mit öffentlichen Gütern: Beiträge über 10 Zeiträume.
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Abbildung 4.9a Weltweite Experimente mit öffentlichen Gütern: Beiträge über 10 Zeiträume.

Benedikt Herrmann, Christian Thoni, und Simon Gachter. 2008. ‚Antisocial Punishment Across Societies‘. Science 319 (5868): pp. 1362–67.

Wie Sie sehen können, haben die Spieler:innen in Chengdu in der ersten Runde 10 USD beigesteuert, so wie wir es oben beschrieben haben. In jeder Bevölkerung, in der das Spiel gespielt wurde, waren die Beiträge zum öffentlichen Gut in der ersten Periode hoch, wenn auch in einigen Städten (Kopenhagen) viel höher als in anderen (Melbourne). Dies ist bemerkenswert: Wenn man sich nur für die eigene Auszahlung interessiert, ist es die dominante Strategie, überhaupt nichts beizutragen. Die hohen anfänglichen Beiträge könnten darauf zurückzu­führen sein, dass die Teilnehmenden des Experiments ihren Beitrag zu den Auszahlungen, die andere erhielten, wertschätzten (sie waren altruistisch). Aber die Schwierigkeit (oder, wie Hardin es beschrieben hätte, die Tragödie) ist offensichtlich. Überall nahmen die Beiträge zum öffentlichen Gut mit der Zeit ab.

In einigen Städten ist dieser Trend sehr deutlich, zum Beispiel in Kopenhagen, Bonn oder St. Gallen. In anderen (Muscat, Riad oder Athen) sind die Beiträge am Ende des Experiments immer noch hoch, obwohl wir einen durchschnittlichen Beitrag von 0 USD erwarten würden. Diese Ergebnisse zeigen, dass es zwischen den Gesellschaften große Unterschiede bei den Beiträgen zum gemeinsamen Pool gibt.

Die plausibelste Erklärung für dieses Muster ist nicht Altruismus. Es ist wahrscheinlich, dass die Beitragszahlenden ihre Kooperation verringerten, wenn sie feststellten, dass andere weniger als erwartet beitrugen und daher Free-riding betrieben. Es scheint, als ob diejenigen, die mehr als der Durchschnitt beitrugen, die niedrigen Beitragszahlenden für ihre Unfairness oder für die Verletzung einer sozialen Norm bestrafen wollten. Da die Auszahlungen der Free-rider von den Gesamtbeiträgen zum öffentlichen Gut abhängen, bestand die einzige Möglichkeit, sie in diesem Experiment zu bestrafen, darin, keine Beiträge mehr zu leisten. Dies ist die Tragik der Allmende.

Viele Menschen sind froh, wenn sie etwas beitragen können, solange es auf Gegenseitigkeit beruht. Eine enttäuschte Gegenseitigkeitserfahrung ist die überzeugendste Erklärung dafür, dass die Beiträge in späteren Runden dieses Spiels so regelmäßig zurückgingen.

Um dies zu testen, nahmen die Versuchsleitenden das in Abbildung 4.9a gezeigte Experiment mit dem Öffentlichen-Gut-Spiel und führten eine Bestrafungsoption ein. Nachdem sie die Beiträge ihrer Gruppe beobachtet hatten, konnten einzelne Spieler:innen andere Spieler:innen bestrafen, indem sie ihnen eine Strafe von 3 USD auferlegten. Die bestrafende Person blieb anonym, musste aber 1 USD pro bestrafter Person bezahlen. Der Effekt ist in Abbildung 4.9b dargestellt. Bei der Mehrheit der Versuchspersonen, einschließlich derjenigen in China, Südkorea, Nordeuropa und den englischsprachigen Ländern, stiegen die Beiträge, wenn sie die Möglichkeit hatten, Free-rider zu bestrafen.

Weltweite Experimente mit öffentlichen Gütern und Möglichkeiten der Bestrafung durch Gleichgestellte.
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Abbildung 4.9b Weltweite Experimente mit öffentlichen Gütern und Möglichkeiten der Bestrafung durch Gleichgestellte.

Benedikt Herrmann, Christian Thoni, und Simon Gachter. 2008. ‚Antisocial Punishment Across Societies‘. Science 319 (5868): pp. 1362–67.

Menschen, die der Meinung sind, dass andere sich unfair verhalten oder gegen eine soziale Norm verstoßen haben, können sich rächen, selbst wenn der Preis für sie selbst hoch ist. Die Bestrafung anderer ist eine Form von Altruismus, denn es kostet sie etwas, Free-riding zu verhindern, das dem Wohlergehen der meisten Mitglieder der Gruppe schadet.

Dieses Experiment veranschaulicht, dass selbst in großen Gruppen von Menschen eine Kombination aus wiederholten Interaktionen und sozialen Präferenzen ein hohes Maß an Beiträgen zum öffentlichen Gut stützen kann.

Das Spiel der öffentlichen Güter ist, wie das Gefangenendilemma, eine Situation, in der es für jeden etwas zu gewinnen gibt, wenn man sich mit anderen an einem gemeinsamen Projekt wie der Schädlingsbekämpfung, der Instandhaltung eines Bewässerungssystems oder der Kontrolle der Kohlenstoffemissionen beteiligt. Aber es gibt auch etwas zu verlieren, wenn andere Free-riding betreiben.

4.8 Verhaltensexperimente im Labor und im Feld

Um wirtschaftliches Verhalten zu verstehen, müssen wir die Präferenzen der Menschen kennen. In der vorherigen Einheit zum Beispiel, schätzten der Studierende und die Landwirtin, ihre Freizeit. Wie viel Wert sie darauf legten, war Teil der Informationen, die wir brauchten, um vorherzusagen, wie viel Zeit sie für Studium und Landwirtschaft aufwenden.

offenbarte Präferenz
Eine Methode zur Untersuchung von Präferenzen, bei der die Motive eines Individuums (die Präferenzen der Person) anhand von Beobachtungen der Handlungen der Person zurückverfolgt werden.

In der Vergangenheit haben Ökonominnen und Ökonomen unsere Präferenzen ermittelt durch:

  • Umfragen: Um politische Präferenzen, Markentreue, den Grad des Vertrauens in andere oder die religiöse Orientierung zu ermitteln.
  • Statistische Untersuchungen des wirtschaftlichen Verhaltens: Zum Beispiel Käufe von einem oder mehreren Gütern, wenn der relative Preis variiert, um Präferenzen für die betreffenden Güter zu ermitteln. Eine Strategie besteht darin, Kaufentscheidungen zu nutzen, um auf die dadurch offenbarten Präferenzen zu schließen. Dies wird als offenbarte Präferenz bezeichnet.

Umfragen haben ein Problem. Wenn man jemanden fragt, ob die Person Eiscreme mag, erhält man wahrscheinlich eine ehrliche Antwort. Aber die Antwort auf die Frage: „Wie altruistisch sind Sie?“ kann eine Mischung aus Wahrheit, Eigenwerbung und Wunschdenken sein. Statistische Studien können das Entscheidungsumfeld, in dem die Präferenzen offenbart wurden, nicht kontrollieren, sodass es schwierig ist, die Entscheidungen verschiedener Gruppen zu vergleichen.

Aus diesem Grund verwenden Ökonominnen und Ökonomen manchmal Experimente, um das Verhalten von Menschen unter kontrollierten Bedingungen zu beobachten.

Wie Ökonominnen und Ökonomen aus Fakten lernen Laborexperimente

Verhaltensexperimente sind für die empirische Untersuchung von Präferenzen wichtig geworden. Ein Teil der Motivation für Experimente besteht darin, dass das Verständnis der Motivationen von Personen (Altruismus, Gegenseitigkeit, Ungleichheitsaversion sowie Eigeninteresse) wesentlich ist, um vorhersagen zu können, wie sie sich als Beschäftigte, Familienangehörige, Umweltschützer:innen und Bürger:innen verhalten werden.

In Experimenten wird gemessen, was Menschen tun, und nicht, was sie sagen. Die Experimente werden so realistisch wie möglich gestaltet, wobei die Umgebung kontrolliert wird:

  • Entscheidungen haben Konsequenzen: Die Entscheidungen im Experiment bestimmen, wie viel Geld die Versuchspersonen durch ihre Teilnahme verdienen. Manchmal kann der Einsatz so hoch sein wie das Einkommen eines ganzen Monats.
  • Anweisungen, Anreize und Regeln sind für alle Versuchspersonen gleich: Es gibt auch eine einheitliche Behandlung. Das bedeutet, dass, wenn wir zwei Gruppen vergleichen wollen, der einzige Unterschied zwischen der Kontroll- und der Behandlungsgruppe die Behandlung selbst ist, so dass die Auswirkungen der Behandlung ermittelt werden können.
  • Experimente sind wiederholbar: Sie sind so konzipiert, dass sie mit anderen Gruppen von Teilnehmenden durchgeführt werden können.
  • Personen, die Experimente durchführen, versuchen, andere mögliche Erklärungen auszuschließen: Andere Variablen werden nach Möglichkeit konstant gehalten, da sie das zu messende Verhalten beeinflussen könnten.

Das heißt, wenn sich Personen im Experiment unterschiedlich verhalten, ist dies wahrscheinlich auf Unterschiede in ihren Präferenzen zurückzuführen und nicht auf die Situation, in der sich die einzelnen Personen befinden.

Ökonominnen und Ökonomen haben öffentliche Güter ausgiebig anhand von Laborexperimenten untersucht, bei denen die Versuchs­personen Entscheidungen darüber treffen sollen, wie viel sie zu einem öffentlichen Gut beitragen sollen. In einigen Fällen haben Ökonominnen und Ökonomen Experimente entworfen, die soziale Dilemmas aus der realen Welt nachahmen. Die Arbeit von Juan Camilo Cárdenas, Ökonom an der Universidad de los Andes in Bogotá, Kolumbien, ist ein Beispiel dafür. Er führt Experimente zu sozialen Dilemmas mit Menschen durch, die in ihrem wirklichen Leben mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, zum Beispiel dem Übernutzung eines Waldes oder eines Fischbestands. In unserem Video „Ökonominnen und Ökonomen in Aktion“ beschreibt er, wie er die experimentelle Volkswirtschaftslehre in realen Situationen einsetzt und wie sie uns hilft zu verstehen, warum Menschen kooperieren, obwohl es offensichtlich Anreize gibt, dies nicht zu tun.

Ökonominnen und Ökonomen haben entdeckt, dass das Verhalten von Menschen in Experimenten genutzt werden kann, um vorherzusagen, wie sie in realen Situationen reagieren. So haben beispielsweise Fischer:innen in Brasilien, die sich in einem experimentellen Spiel kooperativer verhielten, auch nachhaltiger gefischt als die Fischer:innen, die im Experiment weniger kooperativ waren.

Einen Überblick über die Arten von Experimenten, die durchgeführt wurden, die wichtigsten Ergebnisse und die Frage, ob das Verhalten im Versuchslabor das Verhalten im wirklichen Leben vorhersagt, finden Sie in den Forschungsarbeiten einiger Ökonominnen und Ökonomen, die sich auf die experimentelle Volkswirtschaftslehre spezialisiert haben. Zum Beispiel Colin Camerer und Ernst Fehr,10 Armin Falk und James Heckman,11 oder die Experimente von Joseph Heinrich und einem großen Team von Mitarbeitenden aus aller Welt.12

In Übung 4.5 fragen Stephen Levitt und John List jedoch, ob sich die Menschen auf der Straße genauso verhalten würden wie im Labor.

Frage 4.7 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Welche der folgenden Erkenntnisse haben Wirtschaftswissen­schaftler:innen laut dem ‘Wirtschaftswissenschaftler:innen in Aktion’ Video von Juan Camilo Cárdenas bei Experimenten zur Simulation öffentlicher Güter gewonnen?

  • Die Auferlegung einer externen Regulierung untergräbt manchmal die Bereitschaft der Teilnehmenden zur Kooperation.
  • Bevölkerungsgruppen mit größerer Ungleichheit neigen eher zur Kooperation.
  • Sobald echtes Bargeld anstelle von Token für hypothetische Geldbeträge verwendet wird, hören die Menschen auf, sich kooperativ zu verhalten.
  • Die Menschen sind oft eher zur Kooperation bereit als zum Free-riding.
  • Dies ist eine der Erkenntnisse, die Professor Cárdenas erwähnt.
  • Professor Cárdenas stellt fest, dass Bevölkerungen mit größerer Ungleichheit weniger Vertrauen und Kooperation zeigen.
  • Kooperatives Verhalten tritt selbst dann auf, wenn den Teilnehmenden echtes Geld angeboten wird, wie bei den Experimenten von Professor Cárdenas.
  • Dies ist eine der Erkenntnisse, die Professor Cárdenas erwähnt.

Übung 4.5 Sind Laborexperimente immer aussagekräftig?

2007 veröffentlichten Steven Levitt und John List ein Aufsatz mit dem Titel ‚What Do Laboratory Experiments Measuring Social Preferences Reveal about the Real World?‘. Lesen Sie den Aufsatz, um diese beiden Fragen zu beantworten.

  1. Laut dem Aufsatz13, warum und wie könnte das Verhalten der Menschen im wirklichen Leben von dem abweichen, was in Laborexperimenten beobachtet wurde?
  2. Erläutern Sie am Beispiel des Experiments mit öffentlichen Gütern in diesem Abschnitt, warum Sie systematische Unterschiede zwischen den in Abbildung 4.9a und 4.9b aufgezeichneten Beobachtungen und dem, was im wirklichen Leben passieren könnte, beobachten könnten.

Manchmal ist es möglich, Experimente „im Feld“ durchzuführen. Das heißt, die wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Menschen Entscheidungen treffen, absichtlich zu verändern und zu beobachten, wie sich ihr Verhalten ändert. Ein 1998 in Israel durchgeführtes Experiment hat gezeigt, dass soziale Präferenzen sehr empfindlich auf den Kontext reagieren können, in dem Entscheidungen getroffen werden.

Es ist üblich, dass Eltern sich beeilen, um ihre Kinder von der Kindertagesstätte abzuholen. Manchmal kommen einige Eltern zu spät, sodass die Erzieher:innen länger bleiben müssen. Was würden Sie tun, um Eltern davon abzuhalten, zu spät zu kommen? Zwei Ökonomen führten ein Experiment durch, bei dem in einigen Kindertagesstätten Geldbußen eingeführt wurden, in anderen jedoch nicht (diese dienten als Kontrolle). Der „Preis des Zuspätkommens“ stieg von null auf 10 ILS (damals etwa 3 USD). Überraschenderweise verdoppelte sich die Häufigkeit des Zuspätkommens nach Einführung der Geldstrafe. Die oberste Zeile in Abbildung 4.10 veranschaulicht dies.

Durchschnittliche Anzahl der Eltern, die zu spät kommen, pro Woche.
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Abbildung 4.10 Durchschnittliche Anzahl der Eltern, die zu spät kommen, pro Woche.

Uri Gneezy und Aldo Rustichini. 2000. ‚A Fine Is a Price‘. The Journal of Legal Studies 29 (Januar): pp. 1–17.

Warum hat sich die Verhängung eines Bußgeldes für Verspätungen als Fehlschlag erwiesen?

Eine mögliche Erklärung ist, dass vor der Einführung des Bußgeldes die meisten Eltern pünktlich waren, weil sie das Gefühl hatten, dass es das Richtige ist. Mit anderen Worten, sie kamen pünktlich, weil sie sich moralisch verpflichtet fühlten, das Personal der Kindertagesstätte nicht zu belästigen. Vielleicht fühlten sie eine altruistische Sorge für das Personal oder betrachteten das pünktliche Abholen als eine gegenseitige Verantwortung in der gemeinsamen Betreuung des Kindes. Die Verhängung des Bußgeldes signalisierte jedoch, dass es sich in Wirklichkeit eher um eine Einkaufssituation handelte. Verspätungen hatten ihren Preis und konnten daher gekauft werden, wie Gemüse oder Eiscreme.14

Crowding Out
Es gibt zwei ganz unterschiedliche Verwendungen des Begriffs. Der eine ist der beobachtete negative Effekt, wenn ökonomische Anreize die ethischen oder anderweitigen Motivationen der Menschen verdrängen. In Studien zum individuellen Verhalten können Anreize einen Crowding Out-Effekt auf soziale Präferenzen haben. Eine zweite Verwendung des Begriffs bezieht sich auf die Auswirkung einer Erhöhung der Staatsausgaben auf die Verringerung der privaten Ausgaben, wie sie beispielsweise in einer Volkswirtschaft mit voller Kapazitätsauslastung zu erwarten wäre, oder wenn eine fiskalische Expansion mit einem Anstieg des Zinssatzes verbunden ist.

Der Einsatz eines marktähnlichen Anreizes—der Preis für Verspätungen—hat einen neuen „Rahmen“ für die Entscheidung geschaffen, wie Psychologen und Psychologinnen es nennen, und sie zu einer Entscheidung gemacht, bei der eher Eigeninteresse als Rücksichtnahme auf andere akzeptabel war. Wenn Geldstrafen und Preise diese unbeabsichtigten Auswirkungen haben, sprechen wir davon, dass soziale Präferenzen herausgedrängt (crowded out) wurden. Noch schlimmer ist, dass man in Abbildung 4.10 sehen kann, dass die Eltern ihre Kinder auch dann noch zu spät abholten, als die Geldstrafe abgeschafft wurde.

Frage 4.8 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Abbildung 4.10 zeigt die durchschnittliche Anzahl zu spät kommender Eltern pro Woche in Kindertagesstätten, wobei in einigen Einrichtungen ein Bußgeld eingeführt wurde und in anderen nicht. Die Bußgelder wurden schließlich abgeschafft, wie in der Grafik angegeben.

Welche der folgenden Aussagen ist auf der Grundlage dieser Informationen richtig?

  • Durch die Einführung des Bußgeldes wurde die Zahl der zu spät kommenden Eltern erfolgreich reduziert.
  • Das Bußgeld kann als „Preis“ für das Abholen eines Kindes betrachtet werden.
  • Das Diagramm deutet darauf hin, dass das Experiment die Neigung der Eltern, zu spät zu kommen, dauerhaft erhöht hat.
  • Das Crowding Out der sozialen Präferenz trat erst ein, als die Bußgelder wegfielen.
  • Die Grafik zeigt, dass sich die Zahl der zu spät kommenden Eltern in den Einrichtungen, in denen das Bußgeld eingeführt wurde, mehr als verdoppelt hat.
  • Die Eltern zahlten das Bußgeld, wenn sie zu spät kamen, sonst nicht. Es kann also als Preis für das Zuspätkommen betrachtet werden.
  • Die Grafik zeigt, dass die Zahl der zu spät kommenden Eltern auch nach der Abschaffung des Bußgeldes hoch blieb, so dass es möglich ist, dass das Experiment eine dauerhafte Wirkung hatte.
  • Das Crowding Out der sozialen Präferenz tritt ein, wenn die moralische Verpflichtung, nicht zu spät zu kommen, durch den marktähnlichen Anreiz ersetzt wird, das Recht zu erwerben, ohne ethische Bedenken zu spät zu kommen. Dies wird in der Grafik unmittelbar nach der Einführung der Geldstrafen deutlich.

Übung 4.6 Crowding out

Stellen Sie sich vor, Sie sind Bürgermeister:in einer Kleinstadt und möchten Ihre Bürger:innen motivieren, sich am „Tag der schönen Stadt” zu beteiligen, an dem die Menschen einen Tag lang bei der Reinigung von Parks und Straßen helfen.

Wie würden Sie den Tag gestalten, um die Bürger:innen zur Teilnahme zu motivieren?

4.9 Kooperation, Verhandlung, Interessenkonflikte und soziale Normen

Kooperation
Die Beteiligung an einem gemeinsamen Projekt, das einen gegenseitigen Nutzen bringen soll.

Kooperation bedeutet, an einem gemeinsamen Projekt so teilzunehmen, dass ein gegenseitiger Nutzen entsteht. Kooperation muss nicht auf einer Vereinbarung beruhen. Wir haben Beispiele gesehen, in denen Spieler:innen, die unabhängig voneinander handeln, dennoch ein kooperatives Ergebnis erzielen können:

  • Die unsichtbare Hand: Anil und Bala folgten ihren eigenen Interessen bei der Wahl ihrer Saat. Ihr Engagement auf dem dörflichen Markt führte zu einer für beide Seiten vorteilhaften Arbeitsteilung.
  • Das wiederholte Gefangenendilemma: Sie verzichten möglicherweise auf den Einsatz von Terminator zur Schädlingsbekämpfung, weil sie die zukünftigen Verluste erkennen, die sie erleiden würden.
  • Das Spiel der öffentlichen Güter: Die Bereitschaft der Spieler:innen, andere zu bestrafen, sorgte in vielen Ländern für ein hohes Maß an Kooperation, ohne dass Vereinbarungen getroffen werden mussten.

In anderen Fällen, wie zum Beispiel beim einmaligen Gefangenendilemma, führten unabhängige Aktionen zu einem schlechten Ergebnis. In diesen Fällen könnten die Spieler:innen besser abschneiden, wenn sie eine Vereinbarung träfen.

Menschen greifen häufig auf Verhandlungen zurück, um ihre wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu lösen. So führten beispielsweise internationale Verhandlungen zum Montreal-Protokoll, in dem sich die Länder darauf einigten, die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) einzustellen, um ein schädliches Ergebnis (die Zerstörung der Ozonschicht) zu vermeiden.

Verhandlungen sind jedoch nicht immer erfolgreich, manchmal aufgrund von Interessenkonflikten darüber, wie die gegenseitigen Vorteile der Kooperation geteilt werden sollen. Der Erfolg des Montreal-Protokolls steht im Gegensatz zum relativen Misserfolg des Kyoto-Protokolls bei der Reduzierung der für die globale Erwärmung verantwortlichen Kohlenstoff­dioxidemissionen. Die Gründe dafür sind teilweise wissenschaftlicher Natur. Die alternativen Technologien zu FCKW waren gut entwickelt, und die Vorteile im Verhältnis zu den Kosten für große Industrieländer wie die Vereinigten Staaten waren viel deutlicher und größer als im Falle der Treib­hausgasemissionen. Eines der Hindernisse für eine Einigung auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 war jedoch die Frage, wie die Kosten und Vorteile der Emissionsbegrenzung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern aufgeteilt werden sollten.

Ein einfacheres Beispiel für einen Interessenkonflikt ist eine Professorin, die bereit ist, eine studierende Person als wissenschaftliche Hilfskraft für den Sommer einzustellen. Im Prinzip haben beide etwas zu gewinnen, da dies auch eine gute Gelegenheit für die Hilfskraft sein könnte, etwas Geld zu verdienen und zu lernen. Trotz des Potenzials für beidseitige Vorteile gibt es aber auch Raum für Konflikte. Die Professorin möchte vielleicht weniger zahlen und mehr vom Forschungsstipendium übrig haben, um einen neuen Computer zu kaufen, oder die Arbeit muss schnell erledigt werden, sodass die Hilfskraft keinen Urlaub nehmen kann. Nach Verhandlungen können sie sich auf einen Kompromiss einigen und vereinbaren, dass die Hilfskraft ein kleines Einkommen erhält, während sie vom Strand aus arbeitet. Vielleicht scheitert die Verhandlung aber auch.

In der Volkswirtschaftslehre gibt es viele derartige Situationen. Eine Verhandlung ist auch ein integraler Bestandteil der Politik, der Außenpolitik, des Justizsystems, des sozialen Lebens und sogar der Familiendynamik. Ein Elternteil gibt seinem Kind vielleicht ein Smartphone zum Spielen im Tausch gegen einen ruhigen Abend, ein Staat könnte in Erwägung ziehen, Land im Tausch gegen Frieden aufzugeben, oder eine Regierung könnte bereit sein, einen Deal mit protestierenden Studierenden auszuhandeln, um politische Instabilität zu vermeiden. Wie bei der Hilfskraft und der Professorin kann es sein, dass jedes dieser Abkommen nicht zustande kommt, wenn eine der beiden Seiten nicht bereit ist, diese Dinge zu tun.

Verhandlung: Gemeinsame Gewinne teilen

Um sich vorzustellen, was ein gutes Abkommen ausmacht, denken Sie an die folgende Situation. Sie und eine befreundete Person gehen eine leere Straße entlang und Sie sehen einen 100 USD Schein auf dem Boden. Wie würden Sie entscheiden, wie Sie Ihren Glücksfund aufteilen? Wenn Sie den Betrag gleichmäßig aufteilen, spiegelt dies vielleicht eine soziale Norm in Ihrer Gemeinschaft wider, die besagt, dass etwas, das man durch Glück bekommt, 50:50 geteilt werden sollte.

Das Teilen von wertvollen Dingen in gleichen Anteilen (die 50:50-Regel) ist in vielen Gemeinschaften eine soziale Norm, ebenso wie das Schenken von Geburtstagsgeschenken an enge Familienangehörige und befreundete Personen. Soziale Normen gelten für eine ganze Gruppe von Menschen (fast alle befolgen sie) und sagen einer Person, was sie in den Augen der meisten Menschen in der Gemeinschaft tun sollte.

In der Volkswirtschaftslehre gehen wir davon aus, dass Menschen ihre Entscheidungen nach ihren Präferenzen treffen, das heißt nach allen Vorlieben, Abneigungen, Einstellungen, Gefühlen und Überzeugungen, die sie motivieren. Die Präferenzen eines jeden Menschen sind also individuell. Sie können von sozialen Normen beeinflusst sein, aber sie spiegeln sowohl das wider, was die Menschen tun wollen, als auch das, was sie denken, was sie tun sollten.

Selbst wenn es in einer Gemeinschaft eine 50:50-Norm gäbe, ist zu erwarten, dass sich einige Personen nicht genau an diese Norm halten. Einige Menschen könnten egoistischer handeln, als es die Norm verlangt, und andere großzügiger. Was dann geschieht, hängt sowohl von der sozialen Norm ab (eine Tatsache in der Welt, die Einstellungen zur Fairness widerspiegelt, die sich über lange Zeiträume hinweg entwickelt haben), als auch von den spezifischen Präferenzen der betroffenen Personen.

Fairness
Eine Art, eine Allokation auf der Grundlage der eigenen Vorstellung von Gerechtigkeit zu bewerten.

Angenommen, die Person, die das Geld zuerst gesehen hat, hat es aufgehoben. Es gibt mindestens drei Gründe, warum diese Person einen Teil des Geldes an die befreundete Person geben könnte:

  • Altruismus: Wir haben diesen Grund bereits im Fall von Anil und Bala betrachtet. Diese Person könnte altruistisch sein und sich dafür interessieren, dass die andere glücklich ist, oder für einen anderen Aspekt des Wohlergehens der anderen Person.
  • Fairness: Oder die Person, die das Geld besitzt, könnte der Meinung sein, dass 50:50 fair ist. In diesem Fall ist die Person durch Fairness motiviert, oder was Ökonominnen und Ökonomen als Ungleichheitsaversion bezeichnen.
  • Gegenseitigkeit: Die befreundete Person war vielleicht in der Vergangenheit freundlich zu Ihnen oder freundlich zu anderen, und verdient es deshalb in ihren Augen, großzügig behandelt zu werden. In diesem Fall sagen wir, dass Sie reziproke Präferenzen haben.

Diese sozialen Präferenzen beeinflussen alle unser Verhalten, manchmal auch in entgegengesetzter Richtung. Wenn Sie zum Beispiel starke Fairness-Präferenzen haben, aber wissen, dass die befreundete Person völlig egoistisch ist, verleiten die Fairness-Präferenzen Sie vielleicht dazu, zu teilen, aber die Präferenzen der Gegenseitigkeit drängen Sie dazu, das Geld zu behalten.

Frage 4.9 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Das Lieblingshobby von Anastasia und Belinda ist die Suche nach Objekten mit Metalldetektoren. Bei einer Gelegenheit findet Anastasia vier römische Münzen, während Belinda keinen Erfolg hat. Beide Frauen haben starke Präferenzen für Gegenseitigkeit. Wir können daraus schließen, dass:

  • Wenn beide Frauen altruistisch sind, sie den Fund definitiv 50:50 teilen werden.
  • Wenn Anastasia altruistisch und Belinda egoistisch ist, Anastasia den Fund möglicherweise nicht teilen wird.
  • Wenn Anastasia egoistisch und Belinda altruistisch ist, Anastasia den Fund definitiv nicht teilen wird.
  • Wenn Anastasia altruistisch ist und Belinda an Fairness glaubt, sie den Fund 50:50 teilen können oder auch nicht.
  • Es hängt davon ab, wie stark altruistisch Anastasia ist. Sie könnte altruistisch sein, aber nur eine Münze an Belinda geben.
  • Da Anastasia Gegenseitigkeit präferiert, möchte sie Belinda vielleicht dafür bestrafen, dass sie in der Vergangenheit egoistisch war. Selbst wenn sie altruistisch ist, kann es also sein, dass sie aus der Bestrafung eine größere Befriedigung zieht als aus dem Teilen.
  • Gegenseitigkeit bedeutet, dass Anastasia auch dann teilen kann, wenn sie in der Vergangenheit von Belindas Altruismus profitiert hat oder hofft, in Zukunft davon zu profitieren.
  • Anastasias Altruismus und ihr Wunsch, nicht gegen Belindas Fairness-Standard zu verstoßen—um nicht bestraft zu werden—können ausreichen, um sie zu ermutigen, den Fund 50:50 zu teilen.

4.10 Einen Kuchen teilen (oder nichts davon zu bekommen)

Eines der gebräuchlichsten Instrumente zur Untersuchung sozialer Präferenzen ist ein einmaliges Spiel für zwei Personen, das so genannte Ultimatum-Spiel. Es wurde auf der ganzen Welt mit Studierenden, Arbeitskräften in der Landwirtschaft, Lagerarbeiter:innen, sowie Mitgliedern indigener Völker durchgeführt. Durch Beobachtung ihrer Entscheidungen untersuchen wir die Präferenzen und Motive der Versuchspersonen, wie zum Beispiel reines Eigeninteresse, Altruismus, Ungleichheitsaversion oder Gegenseitigkeit.

Die Versuchspersonen werden aufgefordert, ein Spiel zu spielen, bei dem sie Geld gewinnen können. Wie viel sie gewinnen, hängt davon ab, wie sie und die anderen Teilnehmenden spielen. Bei solchen experimentellen Spielen geht es um echtes Geld, denn sonst könnten wir nicht sicher sein, dass die Antworten der Versuchspersonen auf eine hypothetische Frage ihr Verhalten im wirklichen Leben widerspiegeln.

Die Regeln des Spiels werden den Spieler:innen erklärt. Sie werden nach dem Zufallsprinzip in Paare eingeteilt, und werden dann nach dem Zufallsprinzip zur vorschlagenden Person und die andere zur antwortenden Person ernannt. Die Versuchspersonen kennen sich nicht, wissen aber, dass die andere spielende Person auf dieselbe Weise für das Experiment rekrutiert wurde. Die Versuchspersonen bleiben anonym.

Die vorschlagende Person erhält von der Versuchsleitung einen vorläufigen Geldbetrag von zum Beispiel 100 USD und die Anweisung, der antwortenden Person einen Teil davon anzubieten. Jede Aufteilung ist erlaubt, einschließlich alles zu behalten oder alles zu verschenken. Wir nennen diesen Geldbetrag den „Kuchen“, weil es bei dem Experiment darum geht, wie er aufgeteilt wird.

Die Aufteilung erfolgt in der Form: ‚x für mich, y für Sie‘, wobei x + y = 100 USD. Die antwortende Person weiß, dass die vorschlagende Person 100 USD zu verteilen hat. Nachdem erstere das Angebot gesehen hat, nimmt diese es an oder lehnt es ab. Wenn das Angebot abgelehnt wird, erhalten beide Personen nichts. Wird es angenommen, wird die Aufteilung durchgeführt: Die vorschlagende Person erhält x und die antwortende Person y. Wenn die vorschlagende Person zum Beispiel 35 USD anbietet und die antwortende Person das Angebot annimmt, erhält erstere 65 USD und die antwortende Person 35 USD. Wenn das Angebot jedoch abgelehnt wird, erhalten beide nichts.

Dies wird als take-it-or-leave-it-Angebot bezeichnet. Es ist das Ultimatum im Namen des Spiels. Die antwortende Person steht vor der Wahl: Entweder sie akzeptiert die 35 USD oder sie geht leer aus.

ökonomische Rente
Eine Zahlung oder ein anderer Nutzen, der über das hinausgeht, was eine Person bei ihrer nächstbesten Alternative (oder Reservationsoption) erhalten hätte. Siehe auch: Reservationsoption.

Bei diesem Spiel geht es um die Aufteilung der ökonomischen Renten, die bei einer Interaktion entstehen. Unternehmer:innen, die eine neue Technologie einführen möchten, könnten die Rente—also den höheren Gewinn im Vergleich zur aktuellen Technologie—mit den Beschäftigten teilen, wenn diese bei der Einführung kooperieren. In diesem Fall steigt die Rente, weil die Versuchsleitung der vorschlagenden Person den Kuchen vorläufig zur Teilung überlässt. Wenn die Verhandlung erfolgreich ist (die antwortende Person akzeptiert), erhalten beide Spieler:innen eine Rente (ein Stück des Kuchens); die nächstbeste Alternative ist, nichts zu bekommen (der Kuchen wird weggeworfen).

Wenn im obigen Beispiel die antwortende Person das Angebot der vorschlagenden Person annimmt, erhält die vorschlagende Person eine Rente von 65 USD und die antwortende Person 35 USD. Für die antwortende Person ist es mit Kosten verbunden, wenn sie nein sagt. Ihr entgeht die Rente, die sie erhalten hätte. Die Opportunitätskosten für die Ablehnung des Angebots betragen also 35 USD.

Wir denken zunächst über einen vereinfachten Fall des Ultimatum-Spiels nach, der in Abbildung 4.11 in einem Diagramm, dem so genannten „Spielbaum“, dargestellt ist. Die vorschlagende Person hat die Wahl zwischen dem „fairen Angebot“ einer gleichmäßigen Aufteilung oder dem „unfairen Angebot“ von 20 (wobei sie 80 für sich behält). Dann hat die antwortende Person die Wahl, anzunehmen oder abzulehnen. Die Auszahlungen sind in der letzten Zeile dargestellt.

Spielbaum für das Ultimatum-Spiel.
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Abbildung 4.11 Spielbaum für das Ultimatum-Spiel.

sequentielles Spiel
Ein Spiel, bei dem nicht alle Spieler:innen ihre Strategien gleichzeitig wählen und die Spieler:innen, die später wählen, die bereits gewählten Strategien der anderen Spieler:innen sehen können: Ein Beispiel ist das Ultimatumspiel. Siehe auch: Simultanspiel.
Simultanspiel
Ein Spiel, bei dem die Spieler:innen gleichzeitig Strategien wählen, zum Beispiel das Gefangenendilemma. Siehe auch: sequentielles Spiel.

Der Spielbaum ist eine nützliche Methode zur Darstellung sozialer Interaktionen, da er verdeutlicht, wer was tut, wann die Person auswählt und was die Ergebnisse sind. Wir sehen, dass im Ultimatum-Spiel die vorschlagende Person die Strategie zuerst auswählt, gefolgt von der antwortenden Person. Dies wird als sequentielles Spiel bezeichnet; zuvor haben wir uns mit simultanen Spielen beschäftigt, bei denen die Spieler:innen gleichzeitig Strategien wählen.

Was die vorschlagende Person bekommt, hängt davon ab, was die antwortende Person tut. Erstere muss also die wahrscheinliche Reaktion der antwortenden Person bedenken. Deshalb nennt man dies eine strategische Interaktion. Wenn Sie die vorschlagende Person sind, können Sie nicht einfach ein niedriges Angebot ausprobieren, um zu sehen, was passiert: Sie haben nur eine Chance, ein Angebot zu machen.

Versetzen Sie sich in diesem Spiel in die Rolle der antwortenden Person. Würden Sie (50, 50) akzeptieren? Würden Sie (80, 20) akzeptieren? Tauschen Sie nun die Rollen. Nehmen Sie an, dass Sie die vorschlagende Person sind. Welche Aufteilung würden Sie anbieten? Würde Ihre Antwort davon abhängen, ob die andere Person ein Freund oder eine Freundin, eine fremde, bedürftige oder konkurrierende Person ist? Eine antwortende Person, die der Meinung ist, dass das Angebot der vorschlagenden Person gegen eine soziale Norm der Fairness verstößt oder dass das Angebot aus einem anderen Grund beleidigend niedrig ist, könnte bereit sein, die Auszahlung zu opfern, um die vorschlagende Person zu bestrafen.

Kehren wir nun zum allgemeinen Fall zurück, in dem die vorschlagende Person einen beliebigen Betrag zwischen 0 USD und 100 USD anbieten kann. Wenn Sie die antwortende Person wären, was wäre der Mindestbetrag, den Sie bereit wären zu akzeptieren? Wenn Sie die vorschlagende Person wären, was würden Sie anbieten?

akzeptables Mindestangebot
Im Ultimatumspiel das kleinste Angebot der vorschlagenden Person, das von der antwortenden Person nicht abgelehnt wird. In Verhandlungssituationen wird im Allgemeinen das ungünstigste Angebot gemeint, das angenommen werden würde.

Wenn Sie den folgenden Einstein und die darauf folgende Übung 4.7 durcharbeiten, werden Sie sehen, wie Sie das akzeptable Mindestangebot unter Berücksichtigung der sozialen Norm und der Einstellung des Individuums zur Gegenseitigkeit ermitteln können. Das akzeptable Mindestangebot ist das Angebot, bei dem die Freude darüber, das Geld zu bekommen, gleich groß ist wie die Befriedigung darüber, das Angebot abzulehnen und kein Geld zu bekommen, aber in der Lage zu sein, die vorschlagende Person für den Verstoß gegen die soziale Norm von 50:50 zu bestrafen. Wenn Sie die antwortende Person sind und Ihr akzeptables Mindestangebot 35 USD (vom Gesamtkuchen von 100 USD) beträgt, dann würden Sie, wenn Ihnen 36 USD angeboten werden, die vorschlagende Person vielleicht nicht besonders mögen, aber Sie würden das Angebot trotzdem annehmen, anstatt die vorschlagende Person durch Ablehnung des Angebots zu bestrafen. Würden Sie das Angebot ablehnen, würden Sie mit einer Zufriedenheit im Wert von 35 USD und ohne Geld nach Hause gehen, obwohl Sie 36 USD in bar hätten bekommen können.

Einstein Wann wird ein Angebot im Ultimatum-Spiel angenommen?

Angenommen, 100 USD sollen geteilt werden, und es gilt eine Fairness-Norm von 50:50. Wenn das Angebot 50 USD oder mehr beträgt (y ≥ 50), fühlt sich die antwortende Person der vorschlagenden Person gegenüber positiv eingestellt und würde das Angebot natürlich annehmen. Denn eine eine Ablehnung würde sowohl ihr selbst als auch der vorschlagenden Person, die sie schätzt, weil diese die soziale Norm einhält oder sogar übertrifft, schaden. Liegt das Angebot jedoch unter 50 USD, hat sie das Gefühl, dass die 50:50-Norm nicht eingehalten wird, und möchte die vorschlagende Person für diesen Verstoß bestrafen. Lehnt sie das Angebot ab, hat das für sie einen Nachteil, denn eine Ablehnung bedeutet, dass beide nichts erhalten.

Nehmen wir an, die Wut der antwortgebenden Person über den Verstoß gegen die soziale Norm hängt vom Ausmaß des Verstoßes ab: Wenn die vorschlagende Person nichts anbietet, wird sie wütend sein, aber sie ist eher verwirrt als wütend über ein Angebot von 49,50 USD als über das Angebot von 50 USD, das sie aufgrund der sozialen Norm erwartet hätte. Wie viel Zufriedenheit sie also aus der Bestrafung eines niedrigen Angebots der vorschlagenden Person ziehen würde, hängt von zwei Dingen ab: ihrem persönlichen Motiv der Gegenseitigkeit (G) und dem Gewinn aus der Annahme des Angebots (y). R ist eine Zahl, die die Stärke des persönlichen Gegenseitigkeitsmotivs der antwortenden Person angibt: Wenn G eine große Zahl ist, dann ist es ihr sehr wichtig, ob die vorschlagende Person großzügig und fair handelt oder nicht, aber wenn G = 0 ist, sind ihr die Motive der vorschlagenden Person völlig egal. Die Zufriedenheit bei Ablehnung eines niedrigen Angebots ist also G(50 - y). Der Gewinn aus der Annahme des Angebots ist das Angebot selbst, also y.

Die Entscheidung, ein Angebot anzunehmen oder abzulehnen, hängt nur davon ab, welche dieser beiden Werte größer ist. Wir können dies als ‚ein Angebot ablehnen, wenn y < R(50 - y)‘ formulieren. Diese Gleichung besagt, dass die antwortende Person ein Angebot von weniger als 50 USD ablehnen wird, je nachdem, wie viel niedriger als 50 USD das Angebot ist (gemessen an (50 - y)), multipliziert mit ihrer persönlichen Einstellung zur Gegenseitigkeit (R).

Um ihr akzeptables Mindestangebot zu berechnen, können wir diese Ablehnungsgleichung wie folgt umstellen:

R = 1 bedeutet, dass die antwortende Person der Gegenseitigkeit und der sozialen Norm die gleiche Bedeutung beimisst wie dem Gewinn bei Annahme des Angebots. Wenn R = 1 ist, dann ist y < 25 und sie wird jedes Angebot unter 25 USD ablehnen. Der Grenzwert von 25 USD ist der Punkt, an dem sich ihre beiden Motivationen—monetärer Gewinn und Bestrafung der vorschlagenden Person—genau die Waage halten: Wenn sie das Angebot von 25 USD ablehnt, verliert sie 25 USD, erhält aber eine Zufriedenheit im Wert von 25 USD durch die Bestrafung der vorschlagenden Person, so dass ihre gesamte Auszahlung 0 USD beträgt.

Je mehr Wert die antwortende Person auf Gegenseitigkeit legt, desto höher müssen die Angebote der vorschlagenden Person sein. Wenn zum Beispiel R = 0,5 ist, wird die antwortende Person Angebote unter 16,67 USD ablehnen (y < 16,67), aber wenn R = 2 ist, wird die antwortende Person jedes Angebot unter 33,33 USD ablehnen.

Übung 4.7 Akzeptable Angebote

  1. Wie könnte das akzeptable Mindestangebot von der Art und Weise abhängen, wie die vorschlagende Person die 100 USD erworben hat (hat sie sie beispielsweise auf der Straße gefunden, im Lotto gewonnen, geerbt und so weiter)?
  2. Nehmen wir an, dass die Fairness-Norm in dieser Gesellschaft 50:50 ist. Können Sie sich vorstellen, dass jemand in einer solchen Gesellschaft mehr als 50 % anbietet? Wenn ja, warum?

4.11 Faire Landwirtinnen und Landwirte, eigennützige Studierende?

Das ist nicht immer der Fall. In Experimenten in Papua-Neuguinea wurden Angebote von mehr als der Hälfte des Kuchens von den Befragten häufig abgelehnt. Sie zogen es vor, nichts zu erhalten, als sich an einem sehr ungleichen Ergebnis zu beteiligen, selbst wenn es zu ihren Gunsten ausfiel, oder die soziale Schuld auf sich zu nehmen, ein großes Geschenk erhalten zu haben, das möglicherweise nur schwer zu erwidern ist. Die Versuchspersonen waren abgeneigt gegenüber Ungleichheiten, selbst wenn die betreffende Ungleichheit ihnen zugute kam.15

Wenn Sie eine antwortende Person im Ultimatum-Spiel sind, die sich nur um ihre eigenen Auszahlungen kümmert, sollten Sie jedes positive Angebot annehmen, denn etwas, egal wie gering, ist immer besser als nichts. In einer Welt, die nur aus eigennützigen Individuen besteht, würde die vorschlagende Person also davon ausgehen, dass die antwortende Person jedes Angebot annehmen würde, und aus diesem Grund den kleinstmöglichen Betrag—einen Cent—anbieten, da sie weiß, dass er angenommen werden würde.

Stimmt diese Vorhersage mit den experimentellen Daten überein? Nein, das tut sie nicht. Wie beim Gefangenendilemma sehen wir auch hier nicht das Ergebnis, das wir vorhersagen würden, wenn die Menschen ausschließlich eigennützig wären. Ein-Cent Angebote werden abgelehnt.

Um zu sehen, wie Arbeitskräfte in der Landwirtschaft in Kenia und Studierende in den USA dieses Spiel gespielt haben, sehen Sie sich Abbildung 4.12 an. Die Höhe der einzelnen Balken gibt den Anteil der Befragten an, die bereit waren, das auf der horizontalen Achse angegebene Angebot anzunehmen. Angebote von mehr als der Hälfte des Kuchens wurden von allen Versuchspersonen in beiden Ländern akzeptiert, wie man erwarten würde.

Akzeptable Angebote im Ultimatum-Spiel.
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Abbildung 4.12 Akzeptable Angebote im Ultimatum-Spiel.

Abgeändert von Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‘Costly Punishment Across Human Societies’. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.

Beachten Sie, dass die Landwirtinnen und Landwirte in Kenia niedrige Angebote nur sehr ungern annehmen, da sie diese vermutlich als unfair empfinden, während die Studierenden in den USA viel eher dazu bereit sind. Zum Beispiel würden praktisch alle Teilnehmenden aus Kenia (90 %) ein Angebot von einem Fünftel des Kuchens ablehnen (die vorschlagende Person behält 80 %), während 63 % der Studierenden ein solch niedriges Angebot akzeptieren würden. Mehr als die Hälfte der Studierenden würde nur 10 % des Kuchens akzeptieren, aber fast niemand der Landwirtinnen und Landwirte.

Obwohl die Ergebnisse in Abbildung 4.12 darauf hindeuten, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was fair ist und wie wichtig Fairness ist, war in den Experimenten in Kenia und den USA niemand bereit, ein Angebot von Null zu akzeptieren, obwohl die Person bei einer Ablehnung ebenfalls Null erhalten würde.

Übung 4.8 Soziale Präferenzen

Betrachten Sie das in Abbildung 4.12 beschriebene Experiment:

  1. Welche der oben genannten sozialen Präferenzen haben Ihrer Meinung nach dazu geführt, dass die Versuchspersonen bereit waren, niedrige Angebote abzulehnen, obwohl sie dadurch überhaupt nichts erhalten hätten?
  2. Warum glauben Sie, dass die Ergebnisse zwischen den Arbeitskräften in der Landwirschaft Kenias und den Studierenden aus den USA unterschiedlich ausfielen?
  3. Welche Antworten würden Sie erwarten, wenn Sie dieses Spiel mit zwei verschiedenen Gruppen von Spieler:innen—Ihren Mitstudierenden und Ihrer Familie—spielen würden? Erklären Sie, ob Sie erwarten, dass sich die Ergebnisse zwischen diesen Gruppen unterscheiden. Wenn möglich, spielen Sie das Spiel mit Ihren Mitstudierenden und Ihrer Familie und kommentieren Sie, ob die Ergebnisse mit Ihren Vorhersagen übereinstimmen.

Die volle Höhe jedes Balkens in Abbildung 4.13 gibt den Prozentsatz der kenianischen und amerikanischen Vorschlagenden an, die das auf der horizontalen Achse angegebene Angebot gemacht haben. Zum Beispiel machte die Hälfte der Landwirtinnen und Landwirte ein Angebot von 40 %. Weitere 10 % boten eine gleichmäßige Aufteilung an. Nur 11 % der Studierenden machten solch großzügige Angebote.

Tatsächliche Angebote und erwartete Ablehnungen im Ultimatum-Spiel.
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Abbildung 4.13 Tatsächliche Angebote und erwartete Ablehnungen im Ultimatum-Spiel.

Abgeändert von Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‘Costly Punishment Across Human Societies’. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.

Was zeigen die Balken an?
: Die volle Höhe jedes Balkens in der Abbildung gibt den Prozentsatz der kenianischen und amerikanischen Vorschlagenden an, die das auf der horizontalen Achse angegebene Angebot abgegeben haben.
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Was zeigen die Balken an?

Die volle Höhe jedes Balkens in der Abbildung gibt den Prozentsatz der kenianischen und amerikanischen Vorschlagenden an, die das auf der horizontalen Achse angegebene Angebot abgegeben haben.

Abgeändert von Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‚Costly Punishment Across Human Societies‘. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.

Die Abbildung lesen
: Ein Beispiel: Für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Kenias bedeutet 50 % auf der vertikalen Achse und 40 % auf der horizontalen Achse, dass die Hälfte der kenianischen Vorschlagenden ein Angebot von 40 % gemacht hat.
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Die Abbildung lesen

Ein Beispiel: Für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Kenias bedeutet 50 % auf der vertikalen Achse und 40 % auf der horizontalen Achse, dass die Hälfte der kenianischen Vorschlagenden ein Angebot von 40 % gemacht hat.

Abgeändert von Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‚Costly Punishment Across Human Societies‘. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.

Der dunkel schattierte Bereich zeigt Ablehnungen
: Wenn Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Kenias ein Angebot von 30 % machen würden, würde fast die Hälfte der Antwortenden es ablehnen. (Der dunkle Teil des Balkens ist fast so groß wie der helle Teil.)
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Der dunkel schattierte Bereich zeigt Ablehnungen

Wenn Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Kenias ein Angebot von 30 % machen würden, würde fast die Hälfte der Antwortenden es ablehnen. (Der dunkle Teil des Balkens ist fast so groß wie der helle Teil.)

Abgeändert von Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‚Costly Punishment Across Human Societies‘. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.

Bessere Angebote, weniger Ablehnungen
: Die relative Größe des dunklen Bereichs ist bei besseren Angeboten kleiner: zum Beispiel lehnten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Kenias in nur 4 % der Fälle ein Angebot von 40 % ab.
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Bessere Angebote, weniger Ablehnungen

Die relative Größe des dunklen Bereichs ist bei besseren Angeboten kleiner: zum Beispiel lehnten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Kenias in nur 4 % der Fälle ein Angebot von 40 % ab.

Abgeändert von Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‚Costly Punishment Across Human Societies‘. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.

Aber waren die Landwirtinnen und Landwirte wirklich großzügig? Um das zu beantworten, müssen Sie nicht nur darüber nachdenken, wie viel sie angeboten haben, sondern auch darüber, was sie bei der Überlegung, ob die antwortende Person das Angebot annehmen würde, gedacht haben müssen. Wenn Sie sich Abbildung 4.13 ansehen und sich auf die Personen aus Kenia konzentrieren, werden Sie feststellen, dass nur sehr wenige vorschlugen, den gesamten Kuchen zu behalten, indem sie Null anbieten (4 % von ihnen, wie im Balken ganz links zu sehen ist), und alle diese Angebote wären abgelehnt worden (der gesamte Balken ist dunkel).

Ganz rechts in der Abbildung sehen wir dagegen, dass die Arbeitskräfte mit einem Angebot von der Hälfte des Kuchens eine Annahmequote von 100 % erzielten (der gesamte Balken ist hell). Bei denjenigen, die 30 % anboten, war die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Angebot abgelehnt oder angenommen wurde, etwa gleich groß (der dunkle Teil des Balkens ist fast so groß wie der helle Teil).

Eine vorschlagende Person, die so viel wie möglich verdienen wollte, würde sich zwischen den Extremen „alles nehmen“ oder „gleichmäßig aufteilen“ entscheiden. Die Arbeitskräfte, die 40 % anboten, hatten eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ihr Angebot angenommen wurde und sie 60 % des Kuchens erhielten. In dem Experiment entschied sich die Hälfte der Arbeitskräfte für ein Angebot von 40 %. Wir würden erwarten, dass das Angebot nur in 4 % der Fälle abgelehnt wird, wie Sie an dem dunkel schattierten Teil des Balkens bei dem 40 % Angebot in Abbildung 4.13 erkennen können.

Nehmen wir an, Sie sind eine kenianische Arbeitskraft in der Landwirtschaft und alles, was Sie interessiert, ist Ihre eigene Auszahlung.

Der antwortenden Person anzubieten, ihr nichts zu geben, kommt nicht in Frage, denn dann erhalten Sie garantiert nichts, wenn sie ihr Angebot ablehnt. Wenn Sie die Hälfte anbieten, bekommen Sie mit Sicherheit die Hälfte—denn die antwortende Person wird sicher annehmen.

Aber Sie vermuten, dass Sie es besser machen können.

Eine vorschlagende Person, die sich nur um ihre eigenen Auszahlungen kümmert, vergleicht die so genannten erwarteten Auszahlungen der beiden Angebote: das heißt, die Auszahlung, die man erwarten kann, wenn man bedenkt, was die andere Person wahrscheinlich tun wird (annehmen oder ablehnen), falls dieses Angebot gemacht wird. Ihre erwartete Auszahlung ist die Auszahlung, die Sie erhalten, wenn das Angebot angenommen wird, multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit, dass es angenommen wird (denken Sie daran, dass die vorschlagende Person nichts erhält, wenn das Angebot abgelehnt wird). Hier sehen Sie, wie die vorschlagende Person die erwarteten Auszahlungen für ein Angebot von 40 % oder 30 % berechnen würde:

Wir wissen natürlich nicht, ob die Arbeitskräfte diese Berechnungen tatsächlich angestellt haben. Aber wenn ja, hätten sie festgestellt, dass das Angebot von 40 % ihre erwartete Auszahlung maximierte. Diese Motivation steht im Gegensatz zu den akzeptablen Angeboten, bei denen offenbar Überlegungen zur Ungleichheitsaversion, Gegenseitigkeit oder dem Wunsch, eine soziale Norm aufrechtzuerhalten, eine Rolle spielten. Im Gegensatz zu den Antwortenden haben viele der Vorschlagenden möglicherweise versucht, in dem Experiment so viel Geld wie möglich zu verdienen, und hatten richtig geraten, was die Antwortenden tun würden.

Ähnliche Berechnungen deuten darauf hin, dass das erwartete Angebot zur Maximierung der Auszahlung bei den Studierenden bei 30 % lag, und dies war auch das häufigste Angebot unter ihnen. Die niedrigeren Angebote der Studierenden könnten darauf zurückzuführen sein, dass sie richtig antizipierten, dass niedrige Angebote (sogar so niedrig wie 10 %) manchmal akzeptiert werden würden. Möglicherweise versuchten sie, ihre Auszahlungen zu maximieren und hofften, dass sie mit einem niedrigen Angebot davonkommen würden.

Übung 4.9 Angebote im Ultimatum-Spiel

  1. Warum glauben Sie, dass einige der Landwirtinnen und Landwirte aus Kenia mehr als 40 % angeboten haben? Warum boten einige der Studierenden mehr als 30 %?
  2. Warum boten einige weniger als 40 % (Landwirtinnen und Landwirte) und 30 % (Studierende) an?
  3. Welche der sozialen Präferenzen, die Sie untersucht haben, könnten zur Erklärung der gezeigten Ergebnisse beitragen?

Wie unterscheiden sich die beiden Populationen? Obwohl viele Landwirtinnen und Landwirte sowie Studierende einen Betrag anboten, der ihre erwarteten Auszahlungen maximieren würde, endet die Ähnlichkeit hier. Die kenianischen Arbeitskräfte lehnten eher niedrige Angebote ab. Ist dies ein Unterschied zwischen Personen aus Kenia und Amerika? Oder hängt es eher mit den lokalen sozialen Normen als mit der Nationalität und dem Beruf zusammen? Experimente allein können diese interessanten Fragen nicht beantworten, aber bevor Sie zu dem Schluss kommen, dass Personen aus Kenia eine stärkere Abneigung gegen Unfairness haben als Personen aus Amerika, sollten Sie wissen, dass die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft aus dem ländlichen Missouri in den USA bei demselben Experiment niedrige Angebote noch häufiger ablehnten als die kenianischen Arbeitskräfte. Fast jede vorschlagende Person aus Missouri bot die Hälfte des Kuchens an.

Frage 4.10 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Betrachten Sie ein Ultimatum-Spiel, bei dem die vorschlagende Person der antwortenden Person einen Anteil von 100 USD anbietet und diese das Angebot entweder annehmen oder ablehnen kann. Nimmt die antwortende Person das Angebot an, behalten sowohl die vorschlagende als auch die antwortende Person die vereinbarten Anteile. Lehnt die antwortende Person ab, erhalten beide nichts. Abbildung 4.12 zeigt die Ergebnisse einer Studie, die die Antworten von Studierenden in den USA und Landwirtinnen und Landwirten Kenias vergleicht.

Aus diesen Informationen können wir schließen, dass:

  • Kenianer:innen mehr dazu geneigt sind, ein niedriges Angebot abzulehnen als Amerikaner:innen.
  • Etwas mehr als 50 % der kenianischen Landwirtinnen und Landwirte das Angebot der vorschlagenden Person ablehnten, bei dem sie 30 % behielt.
  • Beide Gruppen von Befragten indifferent sind zwischen der Annahme und der Ablehnung eines Angebots, nichts zu erhalten.
  • Landwirtinnen und Landwirte aus Kenia legen mehr Wert auf Fairness als Studierende aus den USA.
  • Kenianer:innen lehnen in dem Experiment niedrige Angebote eher ab als die Studierenden aus den USA. Das bedeutet aber nicht, dass alle in Kenia lebende Personen eher niedrige Angebote ablehnen als alle in Amerika Lebende.
  • Etwas mehr als 50 % der kenianischen Arbeitskräfte lehnten das Angebot ab, bei dem die antwortende Person 30 % erhielt.
  • Beide Gruppen von Antwortenden lehnten zu 100 % das Angebot ab, nichts zu erhalten.
  • Die Tatsache, dass kenianische Arbeitskräfte eher bereit waren, unfaire Angebote abzulehnen und somit auf jegliches Einkommen zu verzichten, deutet darauf hin, dass sie Fairness mehr schätzen.

Frage 4.11 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Die folgende Tabelle zeigt den prozentualen Anteil der Antwortenden, die den von den Vorschlagenden angebotenen Betrag in dem von den Landwirtinnen und Landwirten Kenias und amerikanischen Studierenden gespielten Ultimatum-Spiel abgelehnt haben. Der Kuchen ist 100 USD.

Angebotener Betrag USD 0 USD 10 USD 20 USD 30 USD 40 USD 50
Anteil Ablehnungen Kenianische Arbeitskräfte 100 % 100 % 90 % 48 % 4 % 0 %
Studierende aus den USA 100 % 40 % 35 % 15 % 10 % 0 %

Aus diesen Informationen können wir schließen, dass:

  • Die erwartete Auszahlung für das Angebot von 30 USD beträgt 4,50 USD für die Studierenden in den USA.
  • Die erwartete Auszahlung für das Angebot von 40 USD beträgt 6 USD für die Studierenden in den USA.
  • Die erwartete Auszahlung für das Angebot von 20 USD beträgt 8 USD für die kenianischen Arbeitskräfte.
  • Die erwartete Auszahlung für das Angebot von 10 USD für die kenianischen Arbeitskräfte höher ist, als für die Studierenden aus den USA.
  • Die erwartete Auszahlung ist eine 85 % Chance, 70 USD zu behalten = 0,85 × 70 = 59,50 USD.
  • Die erwartete Auszahlung ist eine 90 % Chance, 60 USD zu behalten = 0,90 × 60 = 54 USD.
  • Die erwartete Auszahlung ist eine 10 % Chance, 80 USD zu behalten = 0,10 × 80 = 8 USD.
  • Die Wahrscheinlichkeit, abgelehnt zu werden, ist für die Landwirtinnen und Landwirte Kenias höher als für die Studierenden aus den USA. Die erwartete Auszahlung ist daher für die Kenianer:innen geringer.

Übung 4.10 Streiks und das Ultimatum-Spiel

Ein Streik über Löhne oder Arbeitsbedingungen kann als Beispiel für ein Ultimatum-Spiel gelten.

  1. Wer ist die vorschlagende Person und wer ist die antwortende Person, wenn Sie einen Streik als Ultimatum-Spiel modellieren?
  2. Zeichnen Sie einen Spielbaum, um die Situation zwischen diesen beiden Parteien darzustellen.
  3. Recherchieren Sie einen bekannten Streik und erklären Sie, ob er die Definition eines Ultimatum-Spiels erfüllt.
  4. In diesem Abschnitt wurden Ihnen experimentelle Daten darüber vorgelegt, wie Menschen das Ultimatum-Spiel spielen. Wie könnten Sie diese Informationen nutzen, um vorzuschlagen, welche Art von Situationen zu einem Streik führen könnten?

4.12 Wettbewerb im Ultimatum-Spiel

Experimente mit Ultimatum-Spielen mit zwei spielenden Personen zeigen, wie Menschen sich entscheiden können, die Gewinne, die aus einer wirtschaftlichen Interaktion entstehen, zu teilen. Aber das Ergebnis einer Verhandlung kann anders ausfallen, wenn sie vom Wettbewerb beeinflusst wird. Zum Beispiel könnte die Professorin, die eine wissenschaftliche Arbeitskraft sucht, mehreren Bewerbenden gegenüberstehen.

Stellen Sie sich eine neue Version des Ultimatum-Spiels vor, bei dem die vorschlagende Person zwei antwortenden Personen, statt nur einer, eine Aufteilung von 100 USD anbietet. Nimmt eine der Antwortenden das Angebot an, die andere jedoch nicht, erhalten die akzeptierende und die vorschlagende Person die vorgeschlagene Aufteilung, während die andere antwortende Person leer ausgeht. Wenn niemand der Antwortenden den Vorschlag annimmt, erhält niemand etwas, auch nicht die vorschlagende Person. Wenn beide Antwortenden annehmen, wird eine nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um den Anteil zu erhalten.

Wenn Sie unter den Antwortenden wären, was ist das akzeptable Mindestangebot, das Sie annehmen würden? Unterscheiden sich Ihre Antworten von denen des ursprünglichen Ultimatum-Spiels mit einer einzigen antwortenden Person? Vielleicht. Wenn ich wüsste, dass meine mitbewerbende Person stark von der 50:50 Aufteilungsnorm angetrieben wird, würde meine Antwort nicht allzu anders ausfallen. Aber was ist, wenn ich vermute, dass meine mitbewerbende Person die Belohnung unbedingt will oder sich nicht allzu sehr dafür interessiert, wie fair das Angebot ist?

Und nun nehmen wir an, Sie sind die vorschlagende Person. Welchen Anteil würden Sie anbieten?

Abbildung 4.14 zeigt einige Laborergebnisse für eine große Gruppe von Versuchspersonen, die mehrere Runden spielten. Vorschlagende und Antwortende wurden in jeder Runde zufällig und anonym zusammengeführt.

Anteil der abgelehnten Angebote im Ultimatum-Spiel, abhängig von der Größe des Angebots und der Anzahl der Antwortenden.
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Abbildung 4.14 Anteil der abgelehnten Angebote im Ultimatum-Spiel, abhängig von der Größe des Angebots und der Anzahl der Antwortenden.

Abgeändert von Abbildung 6 in Urs Fischbacher, Christina M. Fong, und Ernst Fehr. 2009. ‚Fairness, Errors and the Power of Competition‘. Journal of Economic Behavior & Organization 72 (1): pp. 527–45.

Die roten Balken zeigen den Anteil der Angebote, die abgelehnt werden, wenn es nur eine antwortende Person gibt. Die blauen Balken zeigen, was mit zwei Antwortenden geschieht. Wenn es Wettbewerb gibt, lehnen die Antwortenden weniger wahrscheinlich niedrige Angebote ab. Ihr Verhalten entspricht eher dem, was wir von eigennützigen Personen erwarten würden, die sich hauptsächlich um ihre eigenen Auszahlungen kümmern.

Um sich dieses Phänomen zu erklären, stellen Sie sich vor, was passiert, wenn eine antwortende Person ein niedriges Angebot ablehnt. Das bedeutet, dass sie eine Auszahlung von null erhält. Anders als in der Situation, in der es nur eine antwortende Person gibt, kann die antwortende Person in einer Wettbewerbs­situation nicht sicher sein, dass die vorschlagende Person bestraft wird, da die andere antwortende Person das niedrige Angebot annehmen könnte (nicht jeder hat die gleichen Normen in Bezug auf Angebote oder befindet sich in der gleichen Notlage).

Folglich werden selbst fair denkende Menschen niedrige Angebote akzeptieren, um nicht das Schlechteste von beidem zu haben. Natürlich wissen das auch die Vorschlagenden, so dass sie niedrigere Angebote machen, die die Antwortenden trotzdem akzeptieren. Beachten Sie, wie eine kleine Änderung der Regeln oder der Situation einen großen Einfluss auf das Ergebnis haben kann. Wie bei dem Spiel um öffentliche Güter, bei dem die Einführung einer Option zur Bestrafung von Free-ridern die Höhe der Beiträge stark ansteigen ließ, spielen auch Änderungen der Spielregeln eine Rolle.

Übung 4.11 Ein sequentielles Gefangenendilemma

Kehren Sie zu dem Gefangenendilemma (dem Schädlingsbekämpfungsspiel) zurück, das Anil und Bala in Abbildung 4.3b gespielt haben, aber nehmen Sie nun an, dass das Spiel sequentiell gespielt wird, wie das Ultimatum-Spiel. Eine spielende Person (die zufällig ausgewählt wird) wählt zuerst eine Strategie (Spieler:in 1), und dann folgt die zweite Person (Spieler:in 2).

  1. Nehmen wir an, Sie sind Spieler:in 1 und wissen, dass Spieler:in 2 starke Präferenzen in Bezug auf Gegenseitigkeit hat, das heißt, Spieler:in 2 wird sich freundlich gegenüber jemandem verhalten, der die sozialen Normen zur Vermeidung von Umweltverschmutzung einhält, und unfreundlich gegenüber jemandem, der diese Norm verletzt. Was würden Sie tun?
  2. Nehmen wir an, Spieler:in 2 ist nun Spieler:in 1, die mit jemandem interagiert, von dem sie weiß, dass sie ausschließlich eigennützig ist. Was denken Sie, wie das Spiel ausgehen würde?

4.13 Soziale Interaktionen: Konflikte bei der Wahl zwischen Nash-Gleichgewichten

Beim Spiel der unsichtbaren Hand, dem Gefangenendilemma und dem Öffentlichen-Gut-Spiel, hing die Aktion, die den Spieler:innen die höchsten Auszahlungen einbrachten, nicht davon ab, was die anderen Spieler:innen taten. Es gab eine dominante Strategie für alle Spieler:innen und somit ein einziges Dominanzstrategiegleichgewicht.

Aber das ist oft nicht der Fall.

Wir haben bereits eine Situation erwähnt, in der dies definitiv nicht der Fall ist: Rechts oder links fahren. Wenn andere rechts fahren, ist es Ihre beste Antwort, ebenfalls rechts zu fahren. Wenn andere links fahren, ist es Ihre beste Antwort, links zu fahren.

Nash-Gleichgewicht
Eine Kombination von Strategien, eine für jede spielende Person im Spiel, so dass die Strategie jedes Spielenden eine beste Antwort auf die von allen anderen gewählten Strategien ist.

In den USA ist es ein Gleichgewicht, wenn alle auf der rechten Seite fahren, denn niemand würde die Strategie ändern wollen, wenn man bedenkt, was die anderen tun. In der Spieltheorie werden diese Strategien, bei denen jede Person ihre beste Antwort auf die Strategien der anderen spielt, als Nash-Gleichgewicht bezeichnet.

In Japan ist „links fahren“ jedoch ein Nash-Gleichgewicht. Das „Spiel“ des Autofahrens hat zwei Nash-Gleichgewichte.

Bei vielen wirtschaftlichen Interaktionen gibt es keine Dominanzstra­tegiegleichgewichte, aber wenn wir ein Nash-Gleichgewicht finden können, können wir damit vorhersagen, was wir beobachten sollten. Wir sollten erwarten, dass alle Spieler:innen das Beste tun, was sie können, angesichts dessen, was die anderen tun.

Aber selbst bei einfachen wirtschaftlichen Problemen kann es mehr als ein Nash-Gleichgewicht geben (wie bei dem Spiel das Autofahrens). Nehmen wir an, dass die Auszahlungen für Bala und Anil bei der Auswahl ihrer Ernten wie in Abbildung 4.15 dargestellt sind. Das ist anders als bei dem Spiel der unsichtbaren Hand. Wenn die beiden Landwirte dieselbe Saat anbauen, ist der Preisrückgang so groß, dass es für jeden von ihnen besser ist, sich zu spezialisieren, selbst wenn es sich um die Saat handelt, die sie weniger gut anbauen können. Folgen Sie den Schritten in Abbildung 4.15, um die beiden Gleichgewichte zu finden.

Ein Problem der Arbeitsteilung mit mehr als einem Nash-Gleichgewicht.
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Abbildung 4.15 Ein Problem der Arbeitsteilung mit mehr als einem Nash-Gleichgewicht.

Anils beste Antwort auf Reis
: Wenn Bala sich für Reis entscheidet, ist die beste Antwort von Anil, sich für Maniok zu entscheiden. Wir platzieren einen Punkt in der Zelle unten links.
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Anils beste Antwort auf Reis

Wenn Bala sich für Reis entscheidet, ist die beste Antwort von Anil, sich für Maniok zu entscheiden. Wir platzieren einen Punkt in der Zelle unten links.

Anils beste Antwort auf Maniok
: Wenn Bala sich für Maniok entscheidet, ist die beste Antwort von Anil, Reis zu wählen. Setzen Sie einen Punkt in die Zelle oben rechts. Bemerken Sie, dass Anil keine dominante Strategie hat.
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Anils beste Antwort auf Maniok

Wenn Bala sich für Maniok entscheidet, ist die beste Antwort von Anil, Reis zu wählen. Setzen Sie einen Punkt in die Zelle oben rechts. Bemerken Sie, dass Anil keine dominante Strategie hat.

Balas beste Antworten
: Wenn Anil Reis wählt, ist Balas beste Antwort, sich für Maniok zu entscheiden, und wenn Anil Maniok wählt, sollte er Reis wählen. Die Kreise zeigen die besten Antworten von Bala. Auch er hat keine dominante Strategie.
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Balas beste Antworten

Wenn Anil Reis wählt, ist Balas beste Antwort, sich für Maniok zu entscheiden, und wenn Anil Maniok wählt, sollte er Reis wählen. Die Kreise zeigen die besten Antworten von Bala. Auch er hat keine dominante Strategie.

(Maniok, Reis) ist ein Nash-Gleichgewicht
: Wenn Anil sich für Maniok und Bala für Reis entscheidet, spielen beide die beste Antwort (ein Punkt und ein Kreis fallen zusammen). Es handelt sich also um ein Nash-Gleichgewicht.
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(Maniok, Reis) ist ein Nash-Gleichgewicht

Abbildung 4.15d

(Reis, Maniok) ist auch ein Nash-Gleichgewicht
: Wenn Anil sich für Reis und Bala für Maniok entscheidet, spielen beide die beste Antwort. Dies ist also auch ein Nash-Gleichgewicht, aber die Auszahlungen sind im anderen Gleichgewicht höher.
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(Reis, Maniok) ist auch ein Nash-Gleichgewicht

Wenn Anil sich für Reis und Bala für Maniok entscheidet, spielen beide die beste Antwort. Dies ist also auch ein Nash-Gleichgewicht, aber die Auszahlungen sind im anderen Gleichgewicht höher.

Situationen mit zwei Nash-Gleichgewichten veranlassen uns, zwei Fragen zu stellen:

  • Welches Gleichgewicht würden wir in der Realität erwarten?
  • Gibt es einen Interessenkonflikt, weil ein Gleichgewicht für einige Spieler:innen vorteilhaft ist, für andere aber nicht?

Ob Sie rechts oder links fahren, ist an sich kein Konflikt, solange alle, auf die Sie zufahren, die gleiche Entscheidung getroffen haben wie Sie. Wir können nicht sagen, dass das Fahren auf der linken Seite besser ist als das Fahren auf der rechten Seite.

Aber im Spiel um die Arbeitsteilung ist klar, dass das Nash-Gleichgewicht, bei dem Anil Maniok und Bala Reis wählt (wo sie sich auf die Saat spezialisieren, die sie am besten produzieren), von beiden dem anderen Nash-Gleichgewicht vorgezogen wird.

Könnte man also sagen, dass wir von Anil und Bala eine „korrekte“ Arbeitsteilung erwarten würden? Nicht unbedingt. Denken Sie daran, dass wir davon ausgehen, dass sie ihre Entscheidungen unabhängig voneinander treffen, ohne sich abzusprechen. Stellen Sie sich vor, dass Balas Vater besonders gut im Anbau von Maniok war (im Gegensatz zu seinem Sohn) und das Land daher weiterhin für Maniok genutzt wird, obwohl es sich besser für den Reisanbau eignet. Anil weiß, dass Reis die beste Antwort auf Balas Maniok ist, und hätte sich daher für den Reisanbau entschieden. Bala hätte keinen Anreiz, zu dem zu wechseln, was er gut kann: Reis anbauen.

Das Beispiel macht einen wichtigen Punkt deutlich. Wenn es mehr als ein Nash-Gleichgewicht gibt und die Menschen ihre Handlungen unabhängig voneinander wählen, dann kann eine Wirtschaft in einem Nash-Gleichgewicht „feststecken“, in dem alle Spielende schlechter wegkommen, als sie es im anderen Gleichgewicht wären.

Große Ökonominnen und Ökonomen John Nash

John Nash John Nash (1928–2015) schloss seine Doktorarbeit an der Princeton University im Alter von 21 Jahren ab. Sie war nur 27 Seiten lang, aber sie hat die Spieltheorie (die damals ein wenig bekannter Zweig der Mathematik war) in einer Weise weiterentwickelt, die zu einer dramatischen Veränderung der Volkswirtschaftslehre führte. Er gab eine Antwort auf die Frage: Wenn Menschen strategisch interagieren, was würde man dann von ihnen erwarten? Seine Antwort, die heute als Nash-Gleichgewicht bekannt ist, ist eine Sammlung von Strategien, eine für alle Spielende, die so beschaffen ist, dass keine Spielenden die Wahl bereuen würden, wenn diese Strategien öffentlich bekannt würden. Das heißt, wenn alle Spielenden Strategien wählen, die mit einem Nash-Gleichgewicht übereinstimmen, kann niemand durch einseitiges Wechseln zu einer anderen Strategie sich besser stellen.

Nash hat nicht nur das Konzept des Gleichgewichts eingeführt, sondern auch bewiesen, dass ein solches Gleichgewicht unter sehr allgemeinen Bedingungen existiert, vorausgesetzt, die Spielenden können ihre Strategien auch nach dem Zufallsprinzip auswählen. Wie wichtig dies ist, zeigt das Kinderspiel Schere-Stein-Papier für zwei Spielende. Wenn die Spielenden mit absoluter Sicherheit eine der drei Strategien wählen, dann würde mindestens eine Person der Spielenden mit Sicherheit verlieren und wäre daher besser dran, wenn er oder sie eine andere Strategie wählen würde. Wenn aber beide Spielenden jede verfügbare Strategie mit der gleichen Wahrscheinlichkeit wählen, dann kann keiner von ihnen besser abschneiden, wenn er oder sie die Strategien anders wählt. Es handelt sich also um ein Nash-Gleichgewicht.

Nash konnte beweisen, dass es in jedem Spiel mit einer endlichen Anzahl Spielende, von denen alle eine endliche Anzahl von Strategien hat, mindestens ein Gleichgewicht geben muss, vorausgesetzt, die Spielenden können frei wählen. Dieses Ergebnis ist nützlich, weil Strategien sehr komplizierte Objekte sein können, die einen vollständigen Plan spezifizieren, der festlegt, welche Handlung in jeder Situation, die möglicherweise eintreten könnte, zu ergreifen ist. Die Anzahl der verschiedenen Strategien beim Schach ist beispielsweise größer als die Anzahl der Atome im bekannten Universum. Dennoch wissen wir, dass es beim Schach ein Nash-Gleichgewicht gibt, obwohl nicht bekannt ist, ob das Gleichgewicht einen Sieg für Weiß, einen Sieg für Schwarz oder ein garantiertes Unentschieden beinhaltet.

Das Bemerkenswerte an Nashs Existenzbeweis ist, dass einige der bedeutendsten Mathematiker:innen des zwanzigsten Jahrhunderts, darunter Emile Borel und John von Neumann, das Problem in Angriff genommen hatten, ohne sehr weit zu kommen. Sie konnten die Existenz des Gleichgewichts nur für bestimmte Nullsummenspiele nachweisen, das heißt für Spiele, bei denen der Gewinn für eine spielende Person gleich dem Verlust für die mitspielende Person ist. Dies schränkte den Anwendungsbereich ihrer Theorie in der Volkswirtschaftslehre deutlich ein. Nash ließ eine viel allgemeinere Klasse von Spielen zu, bei denen die Spielenden beliebige Ziele haben konnten. Sie können zum Beispiel egoistisch, altruistisch, boshaft oder fair sein.

Es gibt kaum einen Bereich der Volkswirtschaftslehre, den die Entwick­lung der Spieltheorie nicht vollständig verändert hat, und diese Entwicklung wäre ohne Nashs Gleichgewichtskonzept und Existenzbeweis unmöglich gewesen. Bemerkenswerterweise war dies nicht Nashs einziger revolutio­närer Beitrag zur Volkswirtschaftslehre—er leistete auch einen brillanten und originellen Beitrag zur Theorie des Verhandelns. Darüber hinaus leistete er bahnbrechende Beiträge zu anderen Bereichen der Mathematik, für die er mit dem renommierten Abel-Preis ausgezeichnet wurde.

Nash teilte sich später den Nobelpreis für seine Arbeit. Roger Myerson, ein Ökonom, der ebenfalls den Preis erhielt, bezeichnete das Nash-Gleichgewicht als „einen der wichtigsten Beiträge in der Geschichte des ökonomischen Denkens“.

Nash wollte ursprünglich, wie sein Vater, Ingenieur werden und studierte Mathematik an der Carnegie Tech (heute Carnegie Mellon University). Ein Wahlfach in internationaler Volkswirtschaftslehre weckte sein Interesse an strategischen Interaktionen, was ihm schließlich zum Durchbruch verhalf.16

Ein Großteil seines Lebens litt Nash an einer psychischen Krankheit, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machte. Er litt unter Halluzinationen, die durch eine 1959 beginnende Schizophrenie verursacht wurden. Im Anschluss an das, was er als ‚25 Jahre teilweise verblendetes Denken‘ bezeichnete, setzte er seine Lehr- und Forschungstätigkeit in Princeton fort. Die Geschichte seiner Erkenntnisse und seiner Krankheit wird in dem Buch (verfilmt mit Russell Crowe) A Beautiful Mind erzählt.

Konflikte lösen

Ein Interessenkonflikt entsteht, wenn Spieler:innen in einem Spiel unterschiedliche Nash-Gleichgewichte bevorzugen würden.

Betrachten Sie dazu den Fall von Astrid und Bettina, zwei Ingenieurinnen, die an einem Projekt arbeiten, für das sie bezahlt werden sollen. Ihre erste Entscheidung ist, ob der Code in Java oder C++ geschrieben werden soll (stellen Sie sich vor, dass beide Programmiersprachen gleichermaßen geeignet sind und dass das Projekt teilweise in der einen und teilweise in der anderen Sprache geschrieben werden kann). Sie müssen sich jeweils für das eine oder das andere Programm entscheiden, aber Astrid möchte in Java schreiben, weil sie besser im Schreiben vom Java-Code ist. Obwohl es sich um ein gemeinsames Projekt mit Bettina handelt, richtet sich ihre Bezahlung zum Teil danach, wie viele Codezeilen von ihr geschrieben wurden. Leider bevorzugt Bettina aus genau demselben Grund C++. Die beiden Strategien heißen also Java und C++.

Ihre Interaktion ist in Abbildung 4.16a beschrieben, und ihre Auszahlungen sind in Abbildung 4.16b zu sehen.

Interaktionen bei der Wahl der Programmiersprache.
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Abbildung 4.16a Interaktionen bei der Wahl der Programmiersprache.

Aus Abbildung 4.16a können Sie drei Dinge ableiten:

  • Beide arbeiten besser, wenn sie in der gleichen Sprache arbeiten.
  • Astrid schneidet besser ab, wenn diese Sprache Java ist, während das Gegenteil für Bettina zutrifft.
  • Ihre gesamte Auszahlung ist höher, wenn sie C++ wählen.

Wie würden wir den Ausgang dieses Spiels vorhersagen?

Auszahlungen (Tausende von Dollar für die Fertigstellung des Projekts) je nach Wahl der Programmiersprache.
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Abbildung 4.16b Auszahlungen (Tausende von Dollar für die Fertigstellung des Projekts) je nach Wahl der Programmiersprache.

Wenn Sie die Punkt-und-Kreis-Methode anwenden, werden Sie feststellen, dass die besten Antworten jeder Spielerin darin bestehen, die gleiche Sprache wie die andere Spielerin zu wählen. Es gibt also zwei Nash-Gleichgewichte. In einem wählen beide Java. In dem anderen wählen beide C++.

Können wir sagen, welches dieser beiden Gleichgewichte mit größerer Wahrscheinlichkeit eintreten wird? Astrid zieht es offensichtlich vor, dass beide Java spielen, während Bettina es vorzieht, dass beide C++ spielen. Mit den Informationen, die wir darüber haben, wie die beiden interagieren könnten, können wir noch nicht vorhersagen, was passieren würde. In Übung 4.12 finden Sie einige Beispiele für die Art von Informationen, die zur Klärung dessen hilfreich wären, was wir beobachten würden.

Übung 4.12 Konflikt zwischen Astrid und Bettina

Was ist das wahrscheinliche Ergebnis des Spiels in Abbildung 4.16b, wenn:

  1. Astrid sich als erstes für eine Sprache entscheiden und sich darauf festlegen kann (so wie sich die vorschlagende Person im Ultimatum-Spiel auf ein Angebot festlegt, bevor die andere Person antwortet)?
  2. Die beiden sich darauf einigen können, welche Sprache sie verwenden und wie viel Geld von einem zum anderen übertragen werden kann?
  3. Sie schon seit vielen Jahren zusammenarbeiten und in der Vergangenheit Java für gemeinsame Projekte verwendet haben?

Übung 4.13 Konflikt im Geschäft

In den 1990er Jahren kämpften Microsoft und Netscape um die Marktanteile für ihre Webbrowser, den Internet Explorer und den Navigator. In den 2000er Jahren kämpften Google und Yahoo darum, welche Suchmaschine beliebter sein würde. In der Unterhaltungsindustrie fand ein Kampf zwischen Blu-Ray und HD-DVD statt, der als ‚Formatkrieg‘ bezeichnet wurde.

Analysieren Sie anhand eines dieser Beispiele, ob es mehrere Gleichgewichte gibt und wenn ja, warum ein Gleichgewicht den anderen vorgezogen werden könnte.

Frage 4.12 Wählen Sie die richtige(n) Antwort(en)

Diese Tabelle zeigt die Auszahlungsmatrix für ein simultanes One-Shot Spiel, bei dem Anil und Bala ihre Saaten auswählen.

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Wir können daraus schließen, dass:

  • Es zwei Nash-Gleichgewichte gibt: (Maniok, Reis) und (Reis, Maniok).
  • Die Wahl von Maniok eine dominante Strategie für Anil ist.
  • Die Wahl von Reis eine dominante Strategie für Bala ist.
  • Es zwei Dominanzstrategiegleichgewichte gibt: (Maniok, Reis) und (Reis, Maniok).
  • In diesen beiden Fällen spielen sowohl Anil als auch Bala ihre beste Antwort auf die Strategie des anderen. Daher sind diese Strategiepaare Nash-Gleichgewichte.
  • Wenn Bala Maniok wählt, ist es für Anil besser, Reis zu wählen. Maniok ist also keine dominante Strategie für Anil.
  • Wenn Anil Reis wählt, ist es für Bala besser, Maniok zu wählen. Reis ist also keine dominante Strategie für Bala.
  • Es gibt keine dominanten Strategien. Daher gibt es auch kein Dominanzstrategiegleichgewicht.

Übung 4.14 Nash-Gleichgewichte und Klimawandel

Stellen Sie sich das Problem des Klimawandels als ein Spiel zwischen zwei Ländern, China und den USA, vor, wobei jedes Land wie eine einzelne Person betrachtet wird. Jedes Land hat zwei mögliche Strategien, um die globalen Kohlenstoffemissionen zu bekämpfen: Restriktion (Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen, zum Beispiel durch Besteuerung der Nutzung fossiler Brennstoffe) und BAU (das Business-as-usual-Szenario des Stern Berichts). Abbildung 4.17 beschreibt die Ergebnisse (oben) und die hypothetischen Auszahlungen (unten) auf einer Skala, die vom besten, über gut und schlecht, bis zum schlechtesten reicht. Diese Skala wird als Ordinalskala bezeichnet (weil es nur auf die Reihenfolge ankommt: ob ein Ergebnis besser ist als das andere und nicht, um wie viel besser es ist).

Die Klimapolitik als Gefangenendilemma (oben). Auszahlungen für eine Klimapolitik als Gefangenendilemma (unten links) und Auszahlungen mit Ungleichheitsaversion und Gegenseitigkeit (unten rechts).
Die Klimapolitik als Gefangenendilemma (oben). Auszahlungen für eine Klimapolitik als Gefangenendilemma (unten links) und Auszahlungen mit Ungleichheitsaversion und Gegenseitigkeit (unten rechts).
Die Klimapolitik als Gefangenendilemma (oben). Auszahlungen für eine Klimapolitik als Gefangenendilemma (unten links) und Auszahlungen mit Ungleichheitsaversion und Gegenseitigkeit (unten rechts).
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Abbildung 4.17 Die Klimapolitik als Gefangenendilemma (oben). Auszahlungen für eine Klimapolitik als Gefangenendilemma (unten links) und Auszahlungen mit Ungleichheitsaversion und Gegenseitigkeit (unten rechts).

  1. Zeigen Sie, dass beide Länder eine dominante Strategie haben. Welches ist das Dominanzstrategiegleichgewicht?
  2. Das Ergebnis wäre für beide Länder besser, wenn sie einen verbindlichen Vertrag zur Begrenzung der Emissionen aushandeln könnten. Warum könnte es schwierig sein, dies zu erreichen?
  3. Erläutern Sie, wie die Auszahlungen unten rechts in Abbildung 4.17 die Situation darstellen könnten, wenn beide Länder ungleichheitsavers und durch Gegenseitigkeit motiviert wären. Zeigen Sie, dass es zwei Nash-Gleichgewichte gibt. Wäre es in diesem Fall einfacher, einen Vertrag auszuhandeln?
  4. Beschreiben Sie die Veränderungen in den Präferenzen oder in einem anderen Aspekt des Problems, die das Spiel in ein solches umwandeln würden, in dem (wie beim Spiel der unsichtbaren Hand) beide Länder mit der Wahl von Restriktionen ein Dominanzstrategiegleich­gewicht erreichen.

4.14 Schlussfolgerung

Wir haben die Spieltheorie verwendet, um soziale Interaktionen zu modellieren. Das Spiel der unsichtbaren Hand veranschaulicht, wie Märkte das Eigeninteresse der Einzelnen kanalisieren können, um gegenseitige Vorteile zu erzielen. Das Dominanzstrategiegleichgewicht des Gefangenendilemmas zeigt jedoch, wie unabhängig handelnde Individuen mit einem sozialen Dilemma konfrontiert sein können.

Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen nicht nur durch Eigeninteresse motiviert sind. Altruismus, gegenseitige Bestrafung und ausgehandelte Vereinbarungen tragen alle zur Lösung sozialer Dilemmas bei. Es kann zu Interessenkonflikten über die Aufteilung des gemeinsamen Gewinns aus einer Einigung kommen oder weil Individuen unterschiedliche Gleichgewichte bevorzugen, aber soziale Präferenzen und Normen wie Fairness können eine Einigung erleichtern.

In Einheit 4 eingeführte Konzepte

Bevor Sie fortfahren, sollten Sie sich diese Definitionen ansehen:

4.15 Quellen

  • Aesop. ‘Belling the Cat’. In Fables, retold by Joseph Jacobs. XVII, (1). The Harvard Classics. New York: P. F. Collier & Son, 1909–14; Bartleby.com, 2001.
  • Bowles, Samuel. 2016. The Moral Economy: Why Good Incentives Are No Substitute for Good Citizens. New Haven, CT: Yale University Press.
  • Camerer, Colin, und Ernst Fehr. 2004. ‘Measuring Social Norms and Preferences Using Experimental Games: A Guide for Social Scientists’. In Foundations of Human Sociality: Economic Experiments and Ethnographic Evidence from Fifteen Small-Scale Societies, eds. Joseph Henrich, Robert Boyd, Samuel Bowles, Colin Camerer, und Herbert Gintis. Oxford: Oxford University Press.
  • Edgeworth, Francis Ysidro. 2003. Mathematical Psychics and Further Papers on Political Economy. Oxford: Oxford University Press.
  • Falk, Armin, und James J. Heckman. 2009. ‘Lab Experiments Are a Major Source of Knowledge in the Social Sciences’. Science 326 (5952): pp. 535–538.
  • Hardin, Garrett. 1968. ‘The Tragedy of the Commons’. Science 162 (3859): pp. 1243–1248.
  • Henrich, Joseph, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‘Costly Punishment Across Human Societies’. Science 312 (5781): pp. 1767–1770.
  • Henrich, Joseph, Robert Boyd, Samuel Bowles, Colin Camerer, und Herbert Gintis (editors). 2004. Foundations of Human Sociality: Economic Experiments and Ethnographic Evidence from Fifteen Small-Scale Societies. Oxford: Oxford University Press.
  • IPCC. 2014. ‘Climate Change 2014: Synthesis Report’. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Geneva, Switzerland: IPCC.
  • Levitt, Steven D., und John A. List. 2007. ‘What Do Laboratory Experiments Measuring Social Preferences Reveal About the Real World?’. Journal of Economic Perspectives 21 (2): pp. 153–174.
  • Mencken, H. L. 2006. A Little Book in C Major. New York, NY: Kessinger Publishing.
  • Nasar, Sylvia. 2011. A Beautiful Mind: The Life of Mathematical Genius and Novel Laureate John Nash. New York, NY: Simon & Schuster.
  • Ostrom, Elinor. 2000. ‘Collective Action and the Evolution of Social Norms’. Journal of Economic Perspectives 14 (3): pp. 137–58.
  • Ostrom, Elinor. 2008. ‘The Challenge of Common-Pool Resources’. Environment: Science and Policy for Sustainable Development 50 (4): pp. 8–21.
  • Ostrom, Elinor, James Walker, und Roy Gardner. 1992. ‘Covenants With and Without a Sword: Self-Governance is Possible’. The American Political Science Review 86 (2).
  • Stern, Nicholas. 2007. The Economics of Climate Change: The Stern Review. Cambridge: Cambridge University Press.
  1. Nicholas Stern. 2007. The Economics of Climate Change: The Stern Review. Cambridge: Cambridge University Press. Lesen Sie die Zusammenfassung (engl.)

  2. IPCC. 2014. ‚Climate Change 2014: Synthesis Report‘. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Geneva, Switzerland: IPCC. 

  3. Garrett Hardin. 1968. ‚The Tragedy of the Commons‘. Science 162 (3859): pp. 1243–1248. 

  4. Elinor Ostrom. 2008. ‚The Challenge of Common-Pool Resources‘. Environment: Science and Policy for Sustainable Development 50 (4): pp. 8–21. 

  5. Aesop. ‚Belling the Cat‘. In Fables, retold by Joseph Jacobs. XVII, (1). The Harvard Classics. New York: P. F. Collier & Son, 1909–14; Bartleby.com, 2001. 

  6. Francis Ysidro Edgeworth. 2003. Mathematical Psychics and Further Papers on Political Economy. Oxford: Oxford University Press. 

  7. H. L. Mencken. 2006. A Little Book in C Major. New York, NY: Kessinger Publishing. 

  8. Elinor Ostrom. 2000. ‚Collective Action and the Evolution of Social Norms‘. Journal of Economic Perspectives 14 (3): pp. 137–58. 

  9. Elinor Ostrom, James Walker, und Roy Gardner. 1992. ‚Covenants With and Without a Sword: Self-Governance is Possible‘. The American Political Science Review 86 (2). 

  10. Colin Camerer und Ernst Fehr. 2004. ‚Measuring Social Norms and Preferences Using Experimental Games: A Guide for Social Scientists‘. In Foundations of Human Sociality: Economic Experiments and Ethnographic Evidence from Fifteen Small-Scale Societies, bearbeitet von Joseph Henrich, Robert Boyd, Samuel Bowles, Colin Camerer, and Herbert Gintis, Oxford: Oxford University Press. 

  11. Armin Falk und James J. Heckman. 2009. ‚Lab Experiments Are a Major Source of Knowledge in the Social Sciences‘. Science 326 (5952): pp. 535–538. 

  12. Joseph Henrich, Richard McElreath, Abigail Barr, Jean Ensminger, Clark Barrett, Alexander Bolyanatz, Juan Camilo Cardenas, Michael Gurven, Edwins Gwako, Natalie Henrich, Carolyn Lesorogol, Frank Marlowe, David Tracer, und John Ziker. 2006. ‚Costly Punishment Across Human Societies‘. Science 312 (5781): pp. 1767–1770. 

  13. Steven D. Levitt, und John A. List. 2007. ‚What Do Laboratory Experiments Measuring Social Preferences Reveal About the Real World?‘ Journal of Economic Perspectives 21 (2): pp. 153–174. 

  14. Samuel Bowles. 2016. The Moral Economy: Why Good Incentives Are No Substitute for Good Citizens. New Haven, CT: Yale University Press. 

  15. Joseph Henrich, Robert Boyd, Samuel Bowles, Colin Camerer, und Herbert Gintis (Redaktion). 2004. Foundations of Human Sociality: Economic Experiments and Ethnographic Evidence from Fifteen Small-Scale Societies. Oxford: Oxford University Press. 

  16. Sylvia Nasar. 2011. A Beautiful Mind: The Life of Mathematical Genius and Nobel Laureate John Nash. New York, NY: Simon & Schuster.